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THE THEME OF THE MONTH (May/Aug 2014): »Autonomy or a possible aproximation to the colors of the Acropolis.« (German)

 

 

 

 

Agrigent, Valle dei Templi, Der Concordia-Tempel mit einem Gerüst und einem Bild der Restaurierung. Foto: Clemens Franz.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Brandenburger Tor. Foto: Andreas Möller.

Autonomie oder Annäherung an mögliche Farbigkeiten der Acropolis.
Dirk Marx und Stella Veciana


Wir sehen, wie die wissenschaftliche Disziplin der Soziologie im Besonderen formative und nicht explorative Denkfiguren assoziiert hat und somit einen Rahmen für eine gesellschaftliche Realität aufgebaut hat, der sich wie die Säulen der Akropolis in einer ausgebleichten Marmorfarbe zeigt. Nur Kenner - Pausanias[1] - wissen, dass dieser Tempel zu „Lebzeiten“ bemalt war; ist der Tempel deswegen heute leblos? Mit welchen Farben wollen/können wir die Akropolis von heute sehen?

Ja, wir wollen/sollen (zusammen)leben und wir versuchen das. Die Akropolis ist eine „zivilisierte“ Parabel für eine Vorstellung von Leben und Zeit bis heute. Aber wieder mit Farbe versehen haben wir, die Zivilisierten, diese bis heute dennoch nicht. Geht es um den Umgang mit Farben, die uns als Analogie das Leben auch als ein Zusammenleben, erst ermöglicht? Diese Parabel wird von dem deutschen Philosoph Peter Sloterdijk als „Odem“[2] (Atem) erkannt und bei Immanuel Kant zum Ansatz der „Idee“. Der Idee, dass es für das menschliche Handeln eine Monotonie der Freiheit bedarf, die aus dem Denken entspringt. Heutige Analogien suchen in der Ungewissheit der Transformation(en) zur Nachhaltigkeit in der Wissenschaft nach solchen Ideen, so diejenige von dem  deutschen Wirtschaftswissenschaftler Uwe Schneidewind und der Erziehungswissenschaftlerin Mandy Singer-Brodowski. Ihr Vorschlag ist die Idee der Reallabore[3] .

Bei diesen Beispielen, bleibt die Frage nach „dem ich, dem wir, und dem uns“, frei nach der algerischen Schriftstellerin Hèlene Cioux: kann ein solch offenes Konzept als Grenzgang oder Verbindung wahrgenommen werden? Beginnen wir eine Annäherung dieser Fragestellung mit einer allgegenwärtigen sinnlichen Erfahrung. Mit den Worten von Sloterdijk atmen wir mit jeder Seifenblase unseren Odem in einen Raum… der Atem ist was unsere Existenz von Moment zu Moment ausmacht, ohne dem wir nicht überleben könnten und der unseren Innenraum zugleich mit dem Außenraum der Akropolis verbindet. Ein solcher Atem steht bei Sloterdijk als Odem des Ganzen durch einem selbst ausgedrückt. Somit beschreibt er eine Idee, die seit frühem Menschenbestehen eine Präsenz entfaltet, die davon erzählt, dass es zwingend eine große Teilnahme an dem „Ganzen“ gibt und diese ist ein Verbund des Atems mit der Welt: eine wirkliche Transformation mit jedem Atemzug!

Wir wollen weiterschreiten zu der Idee der „Großen Transformation“ sowie sie beispielsweise heute von Beratungsgremien der Politik wie dem WBGU [4] angegangen wird. Dieses Konzept ist Ausgangspunkt und ursprüngliche Motivation für unsere in diesem Artikel zum Ausdruck gebrachten Ideen. Die Vorstellung, die Welt wie wir sie kennen, zu einer klimaverträglichen Gesellschaft ohne Nutzung fossiler Brennstoffezu erhalten, verschiebt unsere Zeitwahrnehmung als „Weltbürger“: Wir vernachlässigen den Blick in die Vergangenheit, verlassen die Gegenwart und sind somit getrieben durch den Blick in die Zukunft. Wenn wir die Tätigkeiten innerhalb wissenschaftlicher Disziplinen als Bilder begreifen, die aus ihren eigenen Erinnerungen und Erfahrungen entstehen, dann können solche Bilder auch als eine Behauptung verstanden werden, die Zukunft präsentieren, publizieren und somit normativ instrumentalisieren. Da aber diese Zukunftsbilder Vorstellungen sind, gemacht aus den Perspektiven spezialisierter Disziplinen, bleibt es uns nahezu unerreicht, einander Entwicklungen so zu ermöglichen, die aus der Gegenwart heraus zukünftig bestehen können. Nehmen wir uns als denkende Wesen, so auch die Disziplinen, so auch die Universitäten… zu ernst? Wo liegen die Grenzen und was fehlt dieser Wissensform?

Ein gelebter Atem kann sich nicht mit dem vorbestimmten Atem einer ideellen Zukunft verbünden. Die Weltbürger/innen, diejenigen, die sich autonom dem Mammutprojekt der „Großen Transformation“ nähern, wählen möglicherweise zu allererst den Wandel in sich selbst zu verwirklichen. Erst dann erproben sie diesen in der Realität, ohne dabei vom Möglichen als Hoffnungsträger verzaubert zu sein. Eine solche individuelle Freiheit beansprucht, nein verlangt selbst der Autonomie, als eine ideelle Idee der Wesensform, Hoffnung ab. Je selbstverständlicher dieser Drang, der jenseits einer Leistungsvorstellung aus einer verlorengegangenen Wesensform hervorgeht, je deutlicher kann es gelingen dieser Sehnsucht nicht als Bedrohung folgen zu wollen, sondern aus Leidenschaft.

Kommen wir zurück zur Exploration der Akropolis. Entwicklungen benötigen Autonomie. Weil Entwicklungen eine eigenständige Autonomie aus ihrer Repräsentanz gewinnen. Nur so können Entwicklungen Denkfiguren beanspruchen, die aufgrund ihrer Herkunft, frei sind. Freiheit, um Farbe zu bekommen, das heißt, eine gemeinsame Idee entstehen zu lassen, zum Beispiel die Idee wie wir Zusammenleben wollen/können. Wird die „Große Transformation“ geplant oder erfunden? Entspringt sie einem regulierenden Verstand oder einem autonomen freien Geiste? Wie und wann verwandelt sich - ist - die wissenschaftliche Erkenntnis in eine von außen aufgezwungene Bevormundung und eine Bedrohung für die Autonomie von Freigeistern? Die Idee (nach) der Autonomie erscheint möglicherweise bereits heute als eine solche Bevormundung, die wir alle nicht mehr wahrnehmen und analog zur verblassten  Akropolis gesehen werden mag.

EPILOG

Wer sucht heute die Farben aus? Und wann ist es überhaupt an der Zeit den Pinsel in die Hand zu nehmen? Es verlangt uns, den Autoren, die gesellschaftlichen Transformationsprozesse im Lichte unserer Blindheit zu entdecken. Noch nie zuvor gab es ein Zeitalter mit einer höheren informativen Transparenz und dennoch, was ermöglicht es uns zu sehen? Das, was wir heute nicht sehen können/wollen, haben wir zumeist bereits gehört. Eine Blindheit, die uns mit uns selbst konfrontiert und veranlassen mag uns grundlegend neu zu begegnen, zu würdigen und zu achten. Wie drückt sich eine solche Haltung der Würdigung und Achtsamkeit in der Idee eines „sozialem Gefüges“ aus? Nehmen wir das zuvor Geschriebene ernst bzw. uns „zu Herzen“, dann werden unsere Meinungen durch die Vorstellung des Avantgardismus und der Renaissance geprägt, die einer Sehnsucht nach individueller Wahrnehmung folgen – jenseits oder diesseits eines „sozialen Gefüges“? Könnten diese individuellen Wahrnehmungsformen in einer gemeinsam er-atmeten und farbig bemalten Akropolis der Ideen zum Ausdruck kommen?

Wir vermuten sie mündeten früher oder später in einen Transformationsprozess zu einer sozialen Tragfähigkeit. Wir vermuten weiterhin, dass durch eine solche durch Achtsamkeit geprägte Tragfähigkeit gesellschaftliche Abgründe und die teilnahmslose Bereitschaft Leiden weiter zu zulassen, überwinden würde. In einer Folge weiterer Texte und Überlegungen soll über die Bereitschaft von Akzeptanz, der Idee „Freiheit“, nachgedacht werden. Wie kann unsere Sehnsucht nach Wandlungsfähigkeit in einem vielfarbigen „sozialen Gefüge“ ihren Ausdruck finden?

1. Pausanias, Reisen in Griechenland. Gesamtausgabe in drei Bänden auf Grund der kommentierten Übersetzung von Ernst Meyer. Dritte, nunmehr vollständige Ausgabe. Herausgegeben von Felix Eckstein. Zürich und München 1986-1989

2. Sloterdijk, Peter: Sphären I. Blasen. Suhrkamp, Frankfurt 1998.

3. Im Zusammenhang mit den Anforderungen an die künftige Gestaltung des Wissenschaftssystems für die Transformation spricht Schneidewind von den „Orten der Integration“ verschiedener Formen von Literacy und Wissen: Die Reallabore. „An die Seite etablierter technologischer und ökonomischer Experimentierkultur müssen verstärkt institutionelle und kulturelle Experimente treten“. Schneidewind, Uwe / Singer Brodowski, Mandy (2013): Transformation Wissenschaft. Klimawandel im deutschen Wissenschafts- und Hochschulsystem. Metropolis Verlag Marburg, S. 85.

4. Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderung (2011): Hauptgutachten - Welt im Wandel. Gesellschaftsverlag für eine große Transformation, WBGU Berlin.

 

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DirkMArx

Dirk Marx - born 1969 in Ratzeburg, Schleswig Holstein. Studied economic and social sciences at the Cottbus-Senftenberg University, Faculty of Environmental Sciences 4, with Prof. Dr. Eike Albrecht. Cultural manager, Transformation scientist and citizen activist. Researcher in TRANSLAB Hochschule Bochum, with Prof. Dr. Petra Schweizer-Ries. Father of three daughters and married, lives on an eco farm in the Lausitz right on the edge of the coal excavators. He wants to improve the world. more

stella veciana

Dr. Stella Veciana - Studies in Experimental arts at the UdK University of Arts Berlin, Computer Arts at the School of Visual Arts in New York City and Cultural Policy & Management at the University Barcelona. Visiting Professor at the Faculty of Fine Arts of Barcelona and author for online master modules at the Postgraduate Institute of Madrid. PhD dissertation entiteled "Research arts: the interface between art, science and technology as a field of knowledge and action" at the University of Barcelona. more


THE ARCHIVE PROJECTS and THEMES of the area of activity TRANSLATING 2014

Mai 2014

THE THEME OF THE MONTH (May/Aug 2014): Autonomy or a possible aproximation to the colors of the Acropolis. Dirk Marx und Stella Veciana

The Acropolis once was painted; but does the faded color of the temple today mean it is lifeless? What colors do we want / can we see in the Acropolis of our time? Yes, we want / should live together and try to do that. The Acropolis is a "civilized" parable for an idea of life and time to the present. But we have not provided it to this day still with color again, we, the civilized. Is dealing with colors, following this analogy, the only way that allows us to life together? more

»Dis|tinction time: here I am -
was I there?«

Jutta Franzen


»To repeat is to behave in a certain manner, but in relation to something unique or singular which has no equal or equivalent”. [...]

The task of life is to make all these repetitions coexist in a space in which difference is distributed.«

Gilles Deleuze



January 2014

THE THEME OF THE MONTH (Jan/Apr 2014): »The Dis|tinction time and space«.

LINE

»Dis|tinction space: from the 3D body experience to Nano-Topologies«
Stella Veciana
.

»It gives a play, which children play, if the tide comes. They build an allegedly impenetrable sand wall around itself, in order to hold the water so long like possible outside. Naturally the water seeps from downside through and sometime breaks through it the wall and floods all. Adults play a similar play. They surround themselves with an allegedly impenetrable wall from arguments, in order to hold the reality outside. But the reality oozes from downside, breaks through sometime the wall and floods us all.«

George Spencer-Brown

(German)
more



THE ARCHIVE PROJECTS and THEMES of the area of activity TRANSLATING 2013

XDion_jan13
January 2013

THE THEME OF THE MONTH (Jan/Apr 2013): »Generating and exhibiting scientific objects«: From the Cabinets of Curiosity to the Research Museums. Stella Veciana. At the documenta 13 Mark Dion puts the Schildbach Woodlibrary in a hexagonal oak cabinet presenting the research objects in a new light. By doing so he questions existing regulatory, collection and classification systems. This novel artistic-curatorial »presentation architecture« and »archiving model« is faced to a new science policy framework for Natural History Museums recently discussed in Berlin. more


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nkanga

THE THEME OF THE MONTH (May/Aug 2013): »Re-valuing Archives«. Collections of fieldwork as a breeding ground for the future. Stella Veciana in conversation with Richard Schütz.

What does an ethnographical museum have in common with a museum of natural history? How does the methods and procedures used to examine the ‘scientific objects’ in their collections compare. The article examines scientific objects, such as stuffed animals, which have been taken out of the context of their historical archives. It also studies how ethnological artefacts, such as weapons, are liberated from the patina of their colonial past.
The trend to re-evaluating archives is illustrated by two examples. Firstly, by introducing the research of visual artist Richard Schütz. His work not only alters the meaning of artefacts from collections through visual storytelling, but also encourage us to envision their future. Secondly, the innovative concept of the exhibition »Object Atlas« of the Weltkulturen Museum / Frankfurt is presented, where innovative research methods have enabled artists and museum staff to take on new roles in their research relationship. Both approaches show how collections can further develop their potential to pioneer new views on the problems of the 21st century. more

THE PROJECT OF THE MONTH (Sep/Dec 2013): »How do Artists build Collections? Cumuli – Exhibition / Archive / Storeroom«.
Stella Veciana in conversation with Herbert Distel, Katharina Karrenberg, Christin Lahr and Moira Zoitl.

How does the collection of an artist differ from the collections of museum directors and art lovers / collectors? With the exhibition Cumuli, the artist group Camelot presents artistsdifferent approaches to collecting: for example, the artist who collects personal mementos or unnoticed objects, who acquires the works of other artists, who assigns new value systems to the objects, or the one who collects gestures and procedures of human activity. (German) more

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