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DAS THEMA DES MONATS (Jul/Dez 2015): »Der Beitrag intentionaler Gemeinschaften zu nachhaltigen Lebensweisen und zu einer nachhaltigkeitsorientierten Forschung« (German)

 


National Network Meeting Ecovillages

Europäisches Netzwerktreffen intentionaler Gemeinschaften, Los Portales Gemeinschaft, Januar 2015 (Foto: Munir Rashid).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

GEN

Das Global Ecovillage Network GEN.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4 Dimensions of Sustainability

Die verschiedenen Aspekte der vier Dimensionen der Nachhaltigkeit, wie sie vom „Ecovillage Design Education (EDE)“ Bildungsprogramm verstanden werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

UBA

Projekt „Modelle gelebter Nachhaltigkeit“ gefördert vom Umweltbundesamt. Tagung, 30./31. Oktober 2014, Berlin.

 

 

 

 

 

 

 

 

Ecovillages Baltic Project

Projekt „Ecovillages“ gefördert vom EU Baltic Sea Region Programme (Interreg).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Solution Library Ecovillages

Die Solution Library: Instrumente zum Wissensaustausch über Transformationsansätze zur Nachhaltigkeit.

 

 

 

 

 

 

 

»Der Beitrag intentionaler Gemeinschaften zu nachhaltigen Lebensweisen und zu einer nachhaltigkeitsorientierten Forschung« Stella Veciana

Weltweit sprießen immer mehr nachhaltigkeitsorientierte und selbstorganisierte Grassroot-Initiativen und Gemeinschaften aus dem Boden. Sie setzen sich für einen resilienten sozialen und ökologischen Wandel ein, stellen aber im globalen Kontext nach wie vor nur einen Nischenfaktor dar. Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) weist diesen Pionieren des Wandels (oder „Change Agents“) ein großes strategisches Gewicht für eine Transformation zu mehr Nachhaltigkeit zu (WBGU 2011, 84). „Die gesellschaftliche Dynamik für die Transformation in Richtung Klimaschutz stützt sich stark auf Pioniere des Wandels, welche die Optionen für die Überwindung einer auf der Nutzung fossiler Ressourcen beruhenden Ökonomie testen und vorantreiben und so neue Leitbilder bzw. Visionen entwickeln helfen, an denen sich der gesellschaftliche Wandel orientieren kann. Die Pioniere agieren zunächst als Nischenakteure, können dann aber zunehmend Wirkungskraft entfalten und die Transformation entscheidend fördern“ (WBGU 2011, 287). Hier stellt sich jedoch die Frage, wie „diese vereinzelten Nischenakteure sektorenübergreifend eine „kritische Masse“ bilden können und darüber hinaus, ein „Gemeinschaftsgefühl kollektiver Selbstwirksamkeit erreicht und zu einer breiten sozialen Bewegung zusammenfließen könnte” (WBGU 2011, 277).

In den letzten Jahrzehnten haben sich immer mehr Einzelakteure zu europäischen und darüberhinaus zu globalen Netzwerken zusammengeschlossen. Dazu gehört neben den Transition-Initiativen (Initiativen-des-Wandels) auch GEN-Europe. 2013 brachte das in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin stattfindende „Transformative Symposium: Welche Forschung brauchen Pioniere des Wandels?“[1] , die Pioniere der Initiativen, Wissenschaftler/innen und Vertreter der Wissenschaftsförderung zusammen. Die Leitfragen des Symposiums sind 2015 nach wie vor aktuell: was die Pioniere des Wandels für die Gesellschaft und eine Kultur der Nachhaltigkeit konkret beitragen können, welche transdisziplinären Forschungsansätze und konkreten Forschungsprojekte es dafür braucht, wie der Staat Wissenschaft in ihrer Vermittlerrolle stärken kann und welche Bedingungen Pioniere des Wandels brauchen, um mit ihren sozial-ökologischen Innovationen und ihrer gelebten Praxis aus ihren gesellschaftlichen Nischen heraus zu kommen und mehr Breitenwirkung zu erzielen. Als einer der Hauptkritikpunkte des Symposiums entpuppte sich, dass Wissenschaftler/innen zu viel „über“ und zu wenig „mit“ Gemeinschaften forschen. Im Folgenden soll am Beispiel vom Global Ecovillage Network GEN[2] auf die Bedeutung der Vernetzungsarbeit und auf die Forschungsbedarfe als auch Hindernisse der Partizipation an der Forschung von Ökodörfern, Grassroot-Initiativen und Gemeinschaften in der Praxis eingegangen werden.

Zu den Schlüsselakteuren bei der Gründung von GEN International gehören die Stiftungsgründer von Gaia Trust, der Ökonom Ross Jackson und die Rechtsanwältin Hildur Jackson und die Gründer des In Context Magazins der Astrophysiker Robert Gilman und die Künstlerin Diane Gilman. Gemeinsam initiierten sie 1995 das Ökodorfnetzwerk und entwickelten Strategien für seine internationale Entwicklung. Die Gilmans’ veröffentlichten eine Vorreiterstudie (Gilman 1991) über „Ökodörfer und nachhaltige Gemeinschaften“ im Auftrag der gemeinnützigen Stiftung Gaia Trust, in der weltweite Ökodorf-Projekte vorgestellt wurden. Ihnen gemeinsam schien weniger eine physische Struktur als verbindende Werte und eine ökologisch-gemeinschaftliche Vision. Strategien für die Weiterentwicklung der Ökodorf-Konzepte führten zu einem Treffen in Dänemark der Gaia Stiftung mit Vertretern von verschiedenen Ökogemeinschaften und schließlich zur Gründung des Globalen Ökodorf-Netzwerkes (GEN International). 1995 fand die erste internationale Konferenz der Ökodorf-Mitglieder mit dem Titel „Ökodörfer und nachhaltige Gemeinschaften für das 21. Jahrhundert“ in Findhorn statt. Ihre Teilnehmer verknüpften GEN wiederum mit Hunderten von kleinen Projekten aus der ganzen Welt, die ähnliche Ziele hatten und sich unbekannt waren. Eine selbstorganisierte Ökodorf-Bewegung entstand.

Nachdem 1995 GEN International als gemeinnützige Dachorganisation gegründet wurde, bildeten sich etappenweise verschiedene autonome regionale Organisationen in Nord- und Lateinamerika, Afrika, Asien, Europa heraus[3] . 2014 wurde GEN-Deutschland gegründet. GEN koordiniert diese Netzwerkorganisationen durch verschiedene Gremien: das GEN International Board, sechs Arbeitsgruppen (darunter auch eine zu Forschung), den GEN Internationalen Lenkungsausschuss und die Generalversammlung. Die Netzwerkorganisationen umfassen unterschiedliche nachhaltige Siedlungsprojekte:

  • Ökostädte, wie Auroville in Süd-Indien, den Bundesverband der Damanhur in Italien, Nimbin in Australien und grosse Netzwerke wie Sarvodaya (mit 2000 aktiven Ökodörfern);
  • Ländliche Ökodörfer, wie Gaia Asociación in Argentinien und Huehuecoyotl in Mexiko;
  • Urbane Verjüngungs-Projekte, wie Los Angeles EcoVillage und Christiania in Kopenhagen,
  • Nach Permakultur Prinzipien angelegte Dörfer wie Crystal Waters, Australien; Cochabamba, Bolivien und Barus, Brasilien
  • Bildungszentren, wie die Findhorn Foundation in Schottland, das Zentrum für Experimentelle Gesellschaftsgestaltung ZEGG in Deutschland, das Centre for Alternative Technology in Wales und Earthlands in Massachusetts.

GEN ist zudem institutionell weltweit vernetzt, einerseits durch seinen Beraterstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC), und andererseits als Partner des Instituts für Ausbildung und Forschung der UNO (UNITAR). Darüber hinaus hat GEN an der RIO+20 Konferenz teilgenommen und im Rahmen des Programms der UN Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung 2005-2014“ gearbeitet. Seit 2014 kooperiert GEN-Europe ebenfalls mit ECOLISE, einer Dachorganisation von europäischen Netzwerken, die eine gemeinsame Plattform von Bottom-Up Gemeinschaften, Forschungs- und Bildungseinrichtungen gebildet haben und die sich für „community-based“ Initiativen zum Klimawandel und Nachhaltigkeit in Europa einsetzen.

Der Transformationsansatz von GEN beruht auf den gemeinsamen Werten und Zielen von Ökodörfern, die sich an den vier Nachhaltigkeitsdimensionen Ökologie, Ökonomie, Soziales und Kultur orientieren. Dabei spielt das Prinzip der „Einheit in der Vielfalt“ eine ausschlaggebende Rolle. Die Lösungsstrategien sind partizipativ, selbst-organisiert und bauen Brücken zwischen „Projekten aus dem Globalen Norden und Süden“. Akademisches und traditionelles Wissen aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen werden in einem alltäglichen nachhaltigen Lebensstil integriert. Dieses integrierte Wissen spiegelt sich beispielsweise im Bildungsprogramm „Ecovillage Design Education“ EDE (GEESE, 2009) wieder – einem vierwöchiger Kurs zu den Grundlagen eines nachhaltigen Projekt-Designs für urbane und rurale Umgebungen. Das Programm wurde von dem interdisziplinären und interkulturellen Team „Global Village Educators for Sustainable Earth“ GEESE erstellt, dass aus Gemeinschaftsvertretern von Australien, Deutschland, Dänemark, England, Indien, Italien, Mexico, Schottland, Senegal, Ungarn und den USA zusammengesetzt war. Seit seinem ersten Entwurf in 2005 wurde das Curriculum in 35 Ländern eingeführt. Ziel ist es, das über Jahrzehnte weltweit gesammelte Wissen sowie die bei der Planung und der Entwicklung von nachhaltigen Modellprojekten gemachten Erfahrungen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Ein wesentlicher Anspruch des EDE besteht darin, bei der Gestaltung eines Ökodorfes die verschiedenen sich bedingenden Aspekte der vier Dimensionen der Nachhaltigkeit zu einem holistischen Konzept zu integrieren. Dieser Ansatz ermöglicht das miteinander verwobene und sich bedingende Ganze zu verstehen, selbst wenn Teilnehmer nicht den gesamten Kurs besuchen können. Jede der vier Nachhaltigkeitsdimensionen ist in weitere Module mit spezifischen Zielen, Inhalten, Erfahrungsräumen und Literaturangaben unterteilt.


Wie bereits erwähnt, arbeitet GEN intensiv an der Vermittlung von Wissen und Erfahrungen der “Pioniere des Wandels“ insbesondere mittels Bildungsprogrammen wie das EDE oder wie die mit Grundtvig (ehemaliges Förderprogramm der Europäischen Union) finanzierten Workshops u.a. zum Permakultur-Design oder zu nachhaltigen Lebensweisen. Das Bildungsprojekt Transition 2 Resilience, eine vom EU Lifelong Learning Programme geförderte europäische Lernpartnerschaft, führt die Expertise verschiedener europäischer Organisationen für lebenslanges Lernen im Bereich soziale, ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit zusammen. Das Curriculum erstreckt sich über zwei Jahre und unterstützt zivilgesellschaftliche Organisationen, lokale Verwaltungen und Gemeinschaften dabei, nachhaltige rurale und urbane Umgebungen zu gestalten. Ein weiteres durch ERASMUS+ gefördertes Bildungsprojekt „Sustainable Innovation for Resilient Communities (SIRCle)“ (2014-2017) widmet sich der Erwachsenenbildung. Ziel ist die Entwicklung eines innovativen Curriculums, das gesellschaftliche Resilienz mit sozialem Enterpreneurship verbindet, sowie die Gründung von mindestens achtzehn nachhaltigkeitsorientierten Unternehmen in sechs europäischen Ländern.

Die Teilnahme an Forschungsprojekten ist für GEN eine neuere Entwicklung. Seit 2014 arbeitet die Forschungsgruppe GEN-Research an der Anbindung von Forschungsthemen an GEN und der Weiterentwicklung einer Datenbank zur Forschung über Gemeinschaften. 2015 hat sich das GEN Funding and Partnership (GFP) der nationalen Netzwerke Europas gegründet, um gemeinsam Horizon 2020 und Erasmus+ Projekte zu initiieren. Ein eigenes transdisziplinäres Forschungsbildungsprogramm gibt es dennoch bisher nicht. GEN-Europe hat u.a. an folgenden ersten Forschungsprojekten teilgenommen:

1. „Modelle gelebter Nachhaltigkeit“ (2013-1015)
Das Ziel des vom Umweltbundesamt geförderten vorwiegend praxisorientierten Projektes war es, „Modelle gelebter Nachhaltigkeit“ in eine breitere Öffentlichkeit zu tragen. Für GEN-Europe stand im Fokus, Brücken vom ruralen zum urbanen Raum zu schlagen, sowie zur Vernetzung der deutschsprachigen Gemeinschaften untereinander und der Gemeinschaften mit Institutionen beizutragen. Weiterhin baut das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Verband European Business Council for Sustainable Energy (e5) Anbindungen an die Gemeingüterökonomie auf. In Zusammenarbeit mit einigen Gemeinschaften fanden an fünf verschiedenen Orten in Deutschland Workshops, Experten-Roundtables und Gesprächskreise statt. Akteure aus Ökodörfern, der Gemeingüterbewegung und der Wirtschaft diskutierten gemeinsam mögliche technologische, soziale oder ökonomische Innovationen für das Alltagsleben[4].

Thematischer Schwerpunkte der Veranstaltungsreihen waren unter anderem das Nutzen und Pflegen von Gemeingütern, die besondere Rolle der Kommunikations- und Vertrauenskultur beim Teilen in Gemeinschaften oder die Vielfalt der neuen allmendebasierten Innovationen in Wissenschaft, Kultur und Alltag[5]. Diese Veranstaltungen wurden in einer Studie von Julio Lambing mit dem Titel „Ökologische Lebensstil-Avantgarden. Eine kurze Analyse sozialökologischer Gemeinschaften und ihres Innovationspotenzials“ dokumentiert. Die Studie gibt einen wesentlichen Einblick in die nachhaltigen Charakteristika, Innovationspotentiale und gesellschaftlichen Wirkungen von sozialökologischen Gemeinschaften im deutschsprachigen Raum.

Neben den Forschungsergebnissen der Studie, war das wichtigste Ergebnis des Projektes für die Entwicklung von GEN die Gründung von GEN Deutschland, die es ohne das Projekt nicht gegeben hätte. Darüberhinaus wurde aus den Ergebnissen das Folgeprojekt entwickelt: "Urbane Resilienz und neue Gemeinschaftlichkeit". Ziel dieses partizipativen Forschungsprojektes mit Fachexperten und Akteuren wird es sein, das GEN Nachhaltigkeitskonzept als Referenzrahmen für eine nachhaltige Stadtentwicklung (auf den Ebenen von Stadt, Stadtteil, Stadt-Projekt) auszuarbeiten.

2. EU Ecovillages Projekt (2010-1013)
ECOVILLAGES ist ein vom EU Baltic Sea Region Programme (Interreg) mit 1,46 Mill. € gefördertes Forschungsprojekt, das die Verbreitung des Ökodorfansatzes als innovative ländliche Entwicklungsmaßnahme im Ostseeraum untersucht. Es ist als Flagship der EU Strategie für den Ostseeraum sowie mit dem Baltic 21 Lighthouse Status der Ostseestaaten ausgezeichnet. Über 45 Ökodörfer wurden zu demographischen, sozialen, wirtschaftlichen und ökotechnologischen Aspekten befragt. Die Ergebnisse verschiedener Fallstudien bildeten die Grundlage für zwei Handbücher: eines zum Praxisalltag und die Nutzung von naturfreundlichen Technologien in Ökodörfern und ein zweites zu sozialen und praktischen Aspekten bei einer Ökodorf Gründung und Weiterentwicklung. Ein drittes Handbuch beabsichtigt, Ökodorfer in der Entwicklung nachhaltiger Unternehmen zu unterstützen. Außerdem wurde ein Ecovillage Nachhaltigkeits-Selbstbeurteilungstest in sechs Sprachen entwickelt, um die Ökodorf-Governance zu verbessern. Das auf der GEN-Europe Website zur Verfügung stehende CSA Selbsteinschätzungstool (Community Sustainability Assessment) beinhaltet eine einfach zu beantwortende und zugleich umfassende Checkliste, um Ökodörfern grundlegende Vorstellungen davon zu vermitteln, wie nachhaltig ihre Gemeinschaft ist. Der Fragebogen/die Checkliste ist auf jede Gemeinschaft anwendbar und verlangt eine gute Kenntnis der Lebensweisen, Arbeitsweisen und Eigenschaften der Gemeinschaft, erfordert jedoch weder Erforschung noch Berechnung oder detaillierte Quantifizierung von Daten.

Darüber hinaus wurde der Entwurf für eine Verordnung 2014 - 2020 bezüglich der Förderung ländlicher Entwicklung erstellt und den zuständigen Ämtern vorgelegt. Dieser unterstreicht die wachsende Bedeutung von Ökodörfern für die nachhaltige Entwicklung europäischer Regionen und insbesondere für den Wissenstransfer in die breite Öffentlichkeit. Es wurden die wesentlichen Aufgabenfelder identifiziert, um die Entwicklung von Ökodörfern als Treiber für eine nachhaltige Regionalentwicklung zu fördern: Energie, Landnutzung, Bau- & Planungsordnung, öffentliche Förderungen, alternative Geschäfts- & Organisationsmodelle, Fort- & Bildung, Informationsverbreitung & –austausch sowie Forschung & Entwicklung in Öko-Lebensführung und alternative Lebensmittelproduktion.

Zu den Instrumenten des Wissensaustauschs über Transformationsansätze zur Nachhaltigkeit gehört u.a. die von GEN entwickelte Lösungsbibliothek (Solution Library). Die interaktive Datenbank ist nach Regionen, Bilder und Kategorien (eine holistische Kategorie und die vier Dimensionen der Nachhaltigkeit) geordnet und ermöglicht, eigene innovative Projektansätze mit anderen Initiativen zu teilen sowie die von anderen zu kommentieren. Während sich unter der Unterkategorie „Grüne Architektur“ zwanzig und unter „Bildung“ vierzehn Beiträge nachlesen lassen, findet sich unter „Partizipativer Forschung“ kein einziger. Das bedeutet nicht, dass eine Zusammenarbeit mit Wissenschaftler/innen nicht in einigen der eingegebenen Projekte stattfinden würde. Diese Zahlen mögen sehr bescheiden erscheinen, aber es handelt sich hier um eine nichtgeförderte Initiative, wo es vor allem darum geht, dass sich die Initiativen unter sich austauschen und unterstützen.

Prinzipiell scheint partizipative Forschung auf der lokalen „Ökodorf-Skala“ noch nicht ein gängiger Begriff zu sein. Demgegenüber steht das Selbstverständnis von GEN, welches Ökodörfer als Forschungs-, Ausbildungs- und Demonstrationszentren für die Transformation zu Nachhaltigkeit versteht (GEN Manifesto 2008, 2). Diese Diskrepanz spiegelt eine der großen Herausforderungen der Mehr-Ebenen-Kommunikation innerhalb des eigenen Netzwerkes wider: von GEN als internationaler Organisation über die verschiedenen nationalen und regionalen Netzwerke bis hin zu den einzelnen Ökodörfern. Ferner stellt sich GEN der systemischen Herausforderung Bottom-up- und Top-down-Ansätze zu Nachhaltigkeit zu verbinden. Dazu wird aktiv nach strategischen Partnerschaften mit anderen Nachhaltigkeitsinitiativen aus der Zivilgesellschaft und anderen Bereichen (Regierungen, Unternehmen und Wissenschaft) gesucht (GEN Ecovillage Transition Strategies 2014). Dies wird auch die strategisch neue Ausrichtung von GEN-International und GEN-Europe mehr in Forschungsprojekte und Forschungspolitik teilzunehmen, leiten.

In den verschiedenen Interviews mit der Vorstandsvorsitzende von GEN International, Kosha Joubert und der ehemaligen Geschäftsführerin von GEN-Europe Ulrike Schimmel, sowie den Vorstandsmitgliedern von GEN-Deutschland, Kariin Ottmar und Thomas Meier, zeigte sich insgesamt ein starkes Interesse, an der Gestaltung von Forschungsagenden und Forschungsprojekten teilzunehmen. Als wiederkehrende Herausforderungen erwiesen sich die zusätzliche ehrenamtliche Arbeit, die die Zusammenarbeit mit Wissenschaftler/innen oft bedeutet, und die schwindende Bereitschaft an Wissenschaftsprojekten ohne Finanzierung teilzunehmen. Eine weitere Kritik galt der Tatsache, dass heute überwiegend eine Forschung über anstelle einer Forschung mit den Ökodörfern existiert. Vermisst wurde auch eine ganzheitlichere Herangehensweise an Forschungsthemen. Zum Beispiel sollten in einer Ökobilanz von Gemeinschaften nicht nur naturwissenschaftliche Datenauswertungen ersichtlich sein, sondern auch aus der sozialen Perspektive Fragen der Zufriedenheit der Ökodorfbewohner/innen im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen miteinbezogen werden.

Aus der Wahrnehmung der Interviewten gibt es insbesondere einen sozialen Forschungsbedarf. Außerdem besteht der Wunsch nach einer Forschungsmethode auf Augenhöhe, die die vier Dimensionen der Nachhaltigkeit integriert. Zum Beispiel stellt sich die Forschungsfrage, wie die Erfahrungen von Ökodörfern für eine Transformation zur Nachhaltigkeit besser gesammelt werden können und welche der gesammelten Erfahrungen relevant für nicht nachhaltig orientierte Dörfer oder Städte sind: Wie ist dieses Wissen unter Berücksichtigung der wechselseitig abhängigen ökologischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Dimensionen erfolgreich in unterschiedliche lokale Kontexte integrierbar? Hinsichtlich des Beschäftigungsbereichs ermöglichen Gemeinschaften mit geringen Lebensunterhaltskosten bei einem niedrigen Lohn eine reduzierte Arbeitsstundenwoche, die als eine gefühlt höhere Lebensqualität empfunden wird: Sind solche lokal selbsttragenden und nachhaltigen Wertschöpfungskreisläufe auf den vorherrschenden kompetitiven Arbeitsmarkt übertragbar? Eine große Rolle in intentionalen Gemeinschaften spielt die Selbstbestimmtheit in der Gestaltung. Wie lassen sich die Entwicklung innovativer Fähigkeiten und die Tendenz hoher Selbständigkeit in intentionalen Gemeinschaften, selbst in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit, als Treiber für eine nachhaltige Regionalentwicklung weiter fördern?

Weiterhin sollten die sozialen Aspekte von Gemeinschaften wie Governance-Strukturen und kollektive Entscheidungskulturen erforscht und ihre gesellschaftliche Übertragbarkeit untersucht werden. Ferner müsste der Wissenstransfer zwischen Berater/innen für die Gründung und Weiterentwicklung intentionaler Gemeinschaften gefördert werden. Die Erforschung und der Transfer der sozialen Dimension der Gemeinschaften im Besonderen, sowie eine integrierte Perspektive der vier Dimensionen auf die Transformationsprozesse von Ökodörfern im Ganzen wird als entscheidend für eine nachhaltigkeitsorientierte Forschung wahrgenommen.

Aus der wissenschaftlichen Perspektive hingegen wird das Defizit an naturwissenschaftlichen Untersuchungen gegenüber den geisteswissenschaftlichen bemängelt (Wagner 2013, 70). Erstere erfassen Themen wie Energieverbrauch und -versorgung, ökologischer Fußabdruck, Wasserkreisläufe, Biodiversität und Permakulturdesign von Ökodörfern. Letztere beschäftigen sich mit sozialwissenschaftlichen Fragen (Wagner 2013, 67) aus der Perspektive des Individuellen (u.a. Zugehörigkeitsbedarf, Mensch-Umwelt Beziehungen, Persönlichkeitsentwicklung), des Soziologischen (u.a. Gemeinschafts-Typologisierung, Individuum-Kollektiv Balance, Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen, Organisationsformen, Entscheidungsfindungskulturen, Modellcharakter und Übertragbarkeit) und der ethnologisch-kulturwissenschaftlichen Betrachtung (u.a. kultureller Alltagskontext, ökologisches Verhalten, Widerstandskultur, Experimental- und Utopieräume). Zuletzt führt Wagner architektonisch/siedlungsplanerische Studien als sozial- naturwissenschaftliche Grenzgänger auf. Auf der „Research in Community“ Website ist die Betaversion einer Datenbank über das Forschungsfeld der intentionalen Gemeinschaften und Ökodörfer zu finden, deren Weiterentwicklung jedoch angemessene Förderung bräuchte. 

In den letzten Jahren haben sich Gemeinschaften aus ihren geschützten Nischen heraus immer mehr vernetzt und dadurch ihre gesellschaftliche Wirkungskraft als „Pioniere des Wandels“ deutlich verstärkt. Dabei hat der Wissensaustausch eine zentrale Rolle gespielt. GEN hat ein eigenes Curriculum entwickelt und zahlreiche unterschiedliche Lern- und Bildungsorte für eine nachhaltige Lebensweise weltweit miteinander verknüpft. Jedoch fehlt z.B. Forschung darüber, wie viele Menschen durch die Bildungsaktivitäten von GEN tatsächlich zu einem nachhaltigen Lebensstil beeinflusst werden/wurden und ob bzw. wie sich diese auf deren Lebensführung auswirkt. Derzeit erweitert GEN, über sein Bildungsprogramm hinaus, seine Mehrebenen-Vernetzungsstrategie des Lokalen im Globalen: „Durch den Austausch von Best Practices und innovativen Lösungen und durch die Anerkennung des verwurzelten traditionellen Wissens und der lokalen Kulturen, baut GEN Brücken auf zwischen politischen Entscheidungsträger/innen, Wissenschaftler/innen, Unternehmer/innen und Mitgliedern nachhaltiger Gemeinschaftsnetzwerke der ganzen Welt, um Strategien für eine globale Transformation hin zu resilienten Gemeinschaften und Kulturen zu entwickeln.“ [6] Neben dem Wissensaustausch durch Bildung kommt nun durch die Zusammenarbeit der „Change Agents“ mit Wissenschaftler/innen, Politiker/innen sowie Vertreter/innen etablierter Institutionen wie der UNO oder der UNESCO eine noch signifikantere Transformationsdynamik hinzu.

Die Relevanz dieser Vernetzungsarbeit liegt insbesondere in der potentiellen Skalierbarkeit der nachhaltigen Lebensweisen: „Je mehr kleinskalige Maßnahmen greifen und je mehr Pioniere des Wandels aktiv werden, sich vernetzen und beginnen, Veränderungen auf unterschiedlichen Ebenen im Sinne der Transformation anzustoßen, desto eher werden Entscheidungsträger ermutigt, auch vermeintlich unpopuläre, große Weichenstellungen anzupacken. In einem derart dynamischen gesellschaftlichen Umfeld können Maßnahmen, die heute noch als unrealistisch gelten, morgen durchaus umsetzbar sein“ (WBGU 2011, 9). Trotz dieser bedeutsamen selbstorganisierten Pionierleistung von GEN und anderen Netzwerken wie das der Transition Towns bedarf es für eine umfassendere soziale Breitenwirkung einer „Bündelung und Vertretung ihrer Vorschläge auf der politisch-parlamentarischen Ebene. Der Gesetzgeber sollte diese Dynamik nutzen und die vielfältigen Ansätze „von unten“ in ein übergreifendes Innovationsszenario mit gut begründeten Geboten und Verboten, sinnvollen Marktanreizen und alternativer Technik, einbauen (WBGU 2011, 279).

Wie sollte dieses Innovationsszenario aussehen? Welche Forschung brauchen bzw. entwickeln die Pioniere des Wandels? Die Forschungswerkstätten des vorangehend erwähnten „Transformativen Symposiums“ erarbeiteten viele Projektideen zu diesen Fragen. Zwei Jahre später wurde einzig die von Prof. Uwe Schneidewind moderierte Werkstatt „Reallabore des Wandels“ in einem Länderförderprogramm umgesetzt. Das ist eine bedeutsame Errungenschaft, die nicht zu unterschätzen ist. Die existenten Fördermaßnahmen reichen jedoch nicht aus, um die unterschiedlichen Barrieren gegen und die Möglichkeiten für eine Ausdehnung nachhaltiger Lebensstile zu untersuchen. Die potentielle Wirkungskraft der akademisch-praktischen Zusammenarbeit für die Transformation zur Nachhaltigkeit ist enorm und erfährt durch vernetzende Organisationen wie GEN strategische Impulse für die Politik, insbesondere die Forschungspolitik.

1. Siehe: http://www.researchincommunity.net/index.php?id=43&L=0 und http://www.research-arts.net/hinterfragen/ra14_hinterfragen_transition.html

2. Das Global Ecovillage Network GEN (Globales Ökodorf-Netzwerk) ist ein beständig wachsendes Netzwerk von intentionalen Gemeinschaften und Ökodörfern. Die Organisationsmitglieder nutzen das Netzwerk zum Austausch von Informationen und Wissen: es verbindet weltweit “modernes und traditionelles Wissen mit nachhaltigen und innovativen Ansätzen in Landwirtschaft, Energie- und Ressourcenversorgung, Wasser- und Abfallmanagement, Architektur und sozialen, partizipativen Prozessen“ (Ottmar et al 2014, 3). GEN unterstützt somit die Entstehung eines vielfältigen und gemeinsamen Pools an Wissen zu nachhaltigen Lebensstilen. Mit der Entwicklung des Ausbildungsprogrammes Ecovillage Design Education (EDE) trägt GEN auch zur Bildung von Gemeinschaft und Solidarität bei, beides Kernelemente einer sich zu  Gerechtigkeit und Resilienz hin entwickelnden Gesellschaft.

3. Die Netzwerke des Global Ecovillage Network GEN sind: GEN-Europe (1996), mit an die zwanzig nationalen Netzwerken (http://gen-europe.org/de); GEN Oceania/Asia GENOA (1997), mit nationalen Netzwerken in Australien, Neuseeland, Philippinen, Sri Lanka und sich entwickelnde Netzwerke u.a. in Japan und Indien (http://gen.ecovillage.org); das Ecovillage Network of the Americas ENA (http://ena.ecovillage.org/index.php?lang=en) mit neun Regionen, das sich 2012 zum Council of Sustainable Settlements of the Americas CASA (http://www.casacontinental.org/) umstrukturierte undd das Ökodorf-Netzwerk GEN-Afrika (2012), das zuletzt von 55 Delegierten gegründet wurde. Das jüngste Netzwerk ist GEN-Deutschland (2014, http://gen-deutschland.de). Ein weiteres Netzwerk, NextGEN (2005), bildete sich auf der Konferenz zum zehnjährigen Bestehen von GEN, in der sich seitdem „die nächste GEN Generation“ vernetzt.

4. Beispiele sind: „Das Projekt gASTWERKe ist nicht nur ein Pilotmodell für den Einsatz von Elektromobilität, sondern setzt im Gartenbau Aquaponik ein, eine Wassernutzungstechnik, die einen geschlossenen Wasser- und Nährstoffkreislauf aus der kombinierten Kultivierung von Nutzpflanzen und der Aufzucht von Fischen ermöglicht. Das Verfahren ermöglicht eine Fischzucht zur Erzeugung von Nahrungsmitteln, und nutzt erdlose Pflanzen (Gemüse) zur Reinigung des Abwasser der Fische, so dass auch dadurch Nahrungsmittel angebaut werden können. In dem Ökodorf ZEGG werden derzeit gar die ersten Schritte eines Modellprojekts realisiert, das ein abwasserloses Dorf zum Ziel hat. In einem komplexen, integrierten Verfahren werden Trockentoiletten, wasserlose Urinale, Küchenabfälle, Holzabfälle, Kompostmieten, ein Pyrolyseofen und die nährstoffarmen Sandböden vor Ort zu einen geschlossene Stoffstrom verbunden, der einerseits Energie erzeugt und andererseits Terra Preta zur Bodenverbesserung und langfristig zur Nahrungsmittelerzeugung einsetzt.“  (Lambing 2014 : 66)

5. Beispiele dazu sind: neue Arbeitswerkstätten, Open-Knowledge in Wissenschaftsbetrieb, Schule und Bildung, Herstellung von gemeinfreier Musik und Kulturgütern, innerstädtisches Gärtnern, selbstverwaltete Betriebe, selbstbestimmte, gemeinschaftliche Nahrungsmittelproduktion, gemeinschaftliche Wohnformen, Open-Source-Architektur, neue Sozialformen durch kollaborative Formen der Selbstorganisation vermittels der neuen Medien, digitale Allmenden. (Lambing 2014 : 65)

6. Siehe: http://sites.ecovillage.org/page/about-gens-work

 

Literatur:

GEESE (2009): Ecovillage Design Education. Ausbildung zur Nachhaltigkeit. Gaia Education.

Meyer-Stoll, Ina / Ecker, Achim (2013): Grassroots Economic Organizing (GEO) Newsletter, Volume 2, Issue 16.

Veciana, Stella / Neubauer, Claudia (2014): Bottom-Up Geschichten nachhatigkeitsorientierter partizipativer Forschung. In Kooperation mit dem Projekt Forschungswende und dem Umweltbundesamt UBA. Vereinigung Deutscher Wissenscahftler VDW (Edit.), Berlin.

Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderung (2011): Hauptgutachten - Welt im Wandel. Gesellschaftsverlag für eine große Transformation, WBGU Berlin. Siehe:http://www.wbgu.de/fileadmin/templates/dateien/veroeffentlichungen/hauptgutachten/jg2011/wbgu_jg2011.pdf  21.05.2014)

Wagner, Felix (2014): Gelebte Versuche einer Kultur der Nachhaltigkeit - Psychologische Aspekte von Ökodörfern als Reallabore der Transformation. Dissertation an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, S. 70. Siehe: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/9381/pdf/Dissertation_Wagner_2013.pdf

 

Die vollständige Version dieses Textes wird demnächst in der Studie „Bottom-Up Geschichten nachhaltigkeitsorientierter partizipativer Forschung“ erscheinen, die einen Einblick in auswählte deutsche und europäische Projekte gibt, die Wissenschaft mit und für die Gesellschaft gestalten.

stella veciana

Dr. Stella Veciana - Studium der Experimentellen Kunst an der Universität der Künste in Berlin, Computer Arts an der School of Visual Arts in New York und Kulturpolitik&Management an der Universität Barcelona. Gastprofessur an der Fakultät der Bildenden Künste in Barcelona und Autorin von Online-Mastermodulen beim Postgraduierten Institut von Madrid. 2004 Promotion mit dem Titel "Research Arts: die Schnittstelle Kunst, Wissenschaft und Technologie als Wissens- und Handlungsfeld" an der Universität Barcelona. mehr


DAS ARCHIV PROJEKTE und THEMEN des Bereiches "Forschen" 2015

Bottom-Up Geschichten

Januar 2015

DAS THEMA DES MONATS (Jan/Apr 2015): »Bottom-Up Geschichten nachhaltigkeitsorientierter partizipativer Forschung
Claudia Neubauer und Stella Veciana.

Das Arbeitspapier „Bottom-Up Geschichten der Zusammenarbeit nachhaltigkeitsorientierter Wissenschaft mit Zivilgesellschaft“ gibt Einblick in auswählte deutsche und europäische Projekte, die Wissenschaft mit und für die Gesellschaft gestalten.
Die Transformationen des Wissenschaftssystems unterliegen einer historischen Entwicklung, die u.a. aus dem Spannungsfeld zwischen dem akademisch-wissenschaftlichen und dem praktisch-(zivil)gesellschaftlichen Wissen hervorgehen. Um die Ausgestaltung und Orientierung von Wissenschaft und Forschungspolitik zukunftsfähig zu gestalten bedarf es mehr gemeinsamer Räume (Shared Spaces), in denen die Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft in dialogischen Formaten gemeinsam Entscheidungen aushandeln. Diese shared spaces sind als Orte der Integration (Schneidewind, 2013; Bergmann, 2010) vielfältiger Wissensformen zu verstehen und benötigen ein entsprechend gutes Regelungssystem (good governance).
Es geht dabei nicht nur um den partizipativen Ansatz der Forschung, sondern auch um die Ausrichtung der gemeinsam durchgeführten Forschung im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung. Nicht jede partizipative Forschung fördert gleichzeitig oder automatisch auch Nachhaltigkeit oder das Gemeinwohl. Zugleich verdeutlichen die aufgeführten Beispiele auch die Schwierigkeiten, die alle aktiven Mitgestalter dieser Shared Spaces erfahren. mehr


DAS ARCHIV PROJEKTE und THEMEN des Bereiches "Forschen" 2014

Workshop WIRKT
September 2014

DAS PROJEKT UND THEMA DES MONATS (Sep/Dez 2014):

Interdisziplinarität und Wissenstransfer in der künstlerisch-wissenschaftlichen Forschung
Welche Kontexte und Strategien erleichtern den Wissenstransfer? Welche Methoden und Evaluationssysteme für den interdisziplinären Wissenstransfer existieren bereits? Was für ein Wirtschaftsmodell und welche Werte stehen hinter kollektiver Wissensgenerierungsprozesse? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Teilnehmer des Workshops WIRKT: Interdisziplinarität und Wissenstransfer, unter der Leitung von Josep Perelló. Der Workshop fand in HANGAR (Barcelona) vom 9. bis 11. Juli im Rahmen des EU-finanzierten Projekts Soft Control statt. Der Workshop ist auch eine Weiterentwicklung des Protokolls für interdisziplinäre Forschung des Workshops "Synergy: Theorie und interdisziplinäre Praxis", der in HANGAR im Sommer 2013 stattfand.

»Wissenstransfer, Kulturpolitik und Instrumente zur Förderung transdisziplinärer Forschungsgruppen« Tere Badia im Gespräch mit Stella Veciana.
Das Visual Art Centre HANGAR arbeitet daran eine Forschungsgemeinschaft an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft aufzubauen. In dem Interview spricht die Leiterin von HANGAR, Tere Badia, welche Rahmenbedingungen es dazu bedarf. mehr

»Soft Power. Ein Kulturprogramm zur Biotechnologie und zu Biopatente.« Maria ptqk.
Das Projekt hat Soft-Power versucht die Schnittstelle zwischen Biotechnologie und künstlerischen und kulturellen Praktiken zu untersuchen, sowie einen Raum für den Wissensaustausch und die öffentliche Debatte zu diesem Thema zu schaffen. Besondere Aufmerksamkeit wurde auf die Ausdehnung der Bio-Patente gesetzt, was zu einer wachsenden Privatisierung der weltweit genetischen Ressourcen. Insbesondre, geht es um verschiedene Strategien, die von Künstlern und Aktivisten entwickelt wurden, um auf diese Entwicklung zu reagieren: offene Gen- und Bio-Datenbanken, Manifeste, öffentliche Lizenzen oder politische Instrumente wie die Commons oder der "gemeinsamen Erbe der Menschheit". In diesem Zusammenhang führen die indigenen und bio-zentrischen Konzepte der Pachamama oder Sumak Kawsay, eine Paradigmaverschiebung ein. bald mehr

ChallengeYasuni detail
May 2014

DAS PROJEKT DES MONATS (Mai/Aug 2014): »Konferenzen als Shared Spaces | Orte der Wissensintegration: Challenge YASUNI-ITT«
Stella Veciana
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Orte der Begegnung und des Austausches unterschiedlicher Expertisen und Wissensformen sind Konferenzen. In diesen bewegen sich jedoch zumeist mehr oder weniger geschlossene Wissenschafts- und Expertenkreisen, die einer Dimension der Wissensintegration mit praktischem und angewandten Wissen nicht gerecht werden. Wie könnte ein shared space, als ein Ort der Integration verschiedener Wissensformen und ein Ort der Begegnung für Vielfalt und Komplementarität neu gestaltet werden?

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Januar 2014

DAS PROJEKT DES MONATS (Jan/Apr 2014): »WHY CULTURE MATTERSSteffi Ober.
Um eine gemeinsame Vorstellung davon zu entwickeln, wie eine nachhaltige Zukunft aussehen kann, nutzen die Nachhaltigkeitswissenschaften inter- und transdisziplinäre Forschungsansätze - ausgehend von der Erkenntnis, dass die Welt zu komplex, dass nur, wenn die Disziplinen aus Natur- und Geisteswissenschaften, Politik und Zivilgesellschaft in einander greifen, das „vernünftige Ganze“ aufscheinen und handlungsleitend werden kann. Dazu bedarf es einer neuen Kultur in den etablierten Wissenschaftsorganisationen von der Deutschen Forschungsgesellschaft bis zum Bundesministerium für Forschung und Bildung. Transdisziplinäre Ansätze finden sich dort in der Entwicklung von Forschungsprogrammen, Begutachtung von Forschungsergebnissen, der Suche nach den geeigneten Projekten selte
n bis nie.

»Plädoyer für eine Kultur der Kommunikation und der Selbstreflektion in der WissenschaftStella Veciana.
Wie kann eine Kultur der Selbstreflektion in die etablierten Wissenschaftsorganisationen eingeführt und eine wechselseitige Kommunikationskultur zwischen Wissenschaft und Gesellschaft entwickelt werden? mehr

DAS ARCHIV PROJEKTE und THEMEN des Bereiches FORSCHEN 2013

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DAS THEMA DES MONATS (Jan/Apr 2013): »Eine Forschungsagenda an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft?« Vom Forschungsagenda-Pionier Stephen Wilson zum SEAD-Netzwerk. Stella Veciana - Ein kurzer Einblick in die Forschungsagenda der »Information Arts« von Stephen Wilson und in die Weißbuch-Ausschreibung der SEAD, die einem neuen Forschungsplan auf der Spur ist, ansetzend an den Schnittstellen Wissenschaft, Technologie, Kunst & Design. mehr

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DAS PROJEKT DES MONATS (Mai/Aug 2013): »Das ganz Neue«. Miriam Wiesel, Axel Schmidt. - Welche sind die Hintergründe des gegenwärtigen Energieregime-wechsels auf der Erde? Der 23. Kreuzberger Salon-Abend widmet sich der Hypothese des Übergangs des Zeitalters des Holozäns zu dem des Anthropozäns. Bezugspunkt ist die Eröffnung der »Anthropozän-Projekts« im Haus der Kulturen der Welt Berlin. Der Kreuzberger Salon wurde von Miriam Wisel und Axel Schmidt 2010 gegründet und trifft sich monatlich, um über das Themenfeld Stadt >< Land zu diskutieren. mehr

DAS THEMA DES MONATS (Mai/Aug 2013): »Der Mensch im Mittelpunkt: Geologen spekulieren mit einem 'menschlich Neu gemachten' Zeitalter und das Haus der Kulturen der Welt mit einer neuen Forschungsagenda.« Stella Veciana. - Hat eine neues "Menschenzeitalter" begonnen und wenn ja, welche globale Konsequenzen sind dadurch zu erwarten? Seit Januar 2013 werden im HKW die ethischen, ästhetischen, politischen und ökonomischen Dimensionen des Anthropozäns diskutiert. Eine Reflexion darüber, was wir von dieser aus der Geologie entfachten Diskussion für unseren Alltag mitnehmen können bzw. welchen Beitrag diese These für eine nachhaltig orientierte Gesellschaft zu leisten vermag. mehr

DAS PROJEKT UND THEMA DES MONATS (Sep/Dez 2013):

Inter- und Transdisziplinarität: treibende Synergien in gemeinsamen Forschungsprojekten der Kunst und Wissenschaft
Wie können wir mit den Herausforderungen inter-und transdisziplinärer Forschung umgehen? Genau diese Frage stellten sich die Teilnehmer des Workshops Synergy: Interdisziplinäre Praxis und Theorie, unter der Leitung von Simon Penny, Roc Parés und Mara Balestrini. Der Workshop fand in HANGAR (Barcelona) vom 28. bis 30. Juni im Rahmen des EU-finanzierten Projekts Soft Control statt. In diesem Bereich der Research Arts Plattform werden eine Reihe von Artikeln über Interdisziplinarität von den Teilnehmern und Leitern des Workshops vorgestellt.

»Was meinen wir mit Interdisziplinarität und warum machen wir uns darüber Gedanken?«
Simon Penny.
Interdisziplinarität ist ein Thema, das rund um Pädagogik und Forschung kreist; es ist modisch geworden und wird als Quelle von Innovation gelobt. Leider wird der Begriff häufig in Initiativen genutzt, die den Begriff nur in begrenzter oder sogar kontra-produktiver Art und Weise nutzen. Die erste Frage, die bei einem solchen Vorhaben daher gefragt werden muss, ist, warum und zu welchem Zweck der Begriff eigesetzt wird. (English) mehr

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Ein Physiker, ein Soziologe und ein Künstler kommen in eine Bar... - was kann Humor in den verschiedenen Typologien interdisziplinärer Projekte bewirken?« Swen Seebach.
Der kommende Beitrag wird sich mit vier verschiedenen Formen der Interdisziplinarität (hierarchischer, symmetrischer, kollaborierender, und individueller Interdisziplinarität) auseinandersetzen. Die Basis dieser Reflektion über Interdisziplinarität sind die empirischen Beobachtungen an dem interdisziplinären Workshop Synergy, der in HANGAR (Barcelona) im Juli 2013 im Rahmen eines europageförderten Projektes Soft Control stattfand. mehr

»Die kulturelle Bedeutung der Interdisziplinarität im Kontext einer unnachhaltigen technisierten hyper-konsumorientierten Gesellschaft.« Roc Parés.
Wir leben in einer Zeit, in der kulturelle Praxen durch die Marktwirtschaft und mit Zustimmung öffentlicher Institutionen der Gesellschaft systematisch entzogen werden. Kunst und Wissenschaft sind entführt worden und werden der Gesellschaft in Form von konsumierbaren Geräten und militärischen Maschinenerzeugnisse zurückgegeben. (English) mehr

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