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DAS THEMA DES MONATS (Jul/Dez 2018): »Leben in zukunftsfähigen Dörfern - Ökodörfer als Katalysatoren nachhaltiger ländlicher Entwicklung« (German)

 



 

Prof.Dr Claudia Dalbert

Bild 1: Prof. Dr. Claudia Dalbert, Landesministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt, benannte in ihrem Impulsvortrag Kriterien für zukunftsfeste Dörfer und Rahmenbedingungen, mit denen die Politik den Strukturerhalt im ländlichen Raum fördern kann.

 

 

 

 

 

 

Ökodörfer Nachhaltigkeitskriterien

Bild 2: Nachhaltigkeitsdiagramm des Ökodorf-Netzwerkes GEN mit den Kriterien der vier Dimensionen der Nachhaltigkeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ziegenhagen

Region Lindstedt

Bilder 3, 4, 5: Vorstellung der Dorf-Projekte durch die anwesenden Dorf-Bewohner*innen der fünf Kooperationen (von oben nach unten) Dorf Hülen, Dorf Ziegenhagen, Region Lindstedt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

FishbowlKernthesen

BIld 6: Lebhafte Diskussion über die Fünf Thesen/Kernfragen für eine nachhaltige Dorf- und Regionalentwicklung während der Abschlusskonferenz in einer Fishbowl-Runde.

»Leben in zukunftsfähigen Dörfern. Ein Modellprojekt zur Unterstützung nachhaltiger ländlicher Entwicklung
Stella Veciana und Christoph Strünke
Dieser Artikel wurde von der Agrarsozialen Gesellschaft e.V. erstveröffentlicht.


In dem vom Umweltbundesamt geförderten Projekt „Leben in zukunftsfähigen Dörfern“ (2017–2018), wurden die vom Ökodorf-Netzwerk GEN (Global Ecovillage Network) weltweit gesammelten Erfahrungen in fünf partnerschaftlichen Kooperationen zwischen jeweils einem Ökodorf und einem gewachsenen Dorf über einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz und einen praxisnahen Methoden-Werkzeugkasten verfügbar gemacht. Das Projekt unterstützt Möglichkeiten einer konkreten nachhaltigkeitsorientierten Trendwende etwa in Form eines Dorfgemeinschaftshauses, eines Bio-Dorfladens, einer Mitfahrbank oder ortsteileigener Pflanzenkläranlagen.

Im Zentrum des Projekts stand die Frage, wie das ganzheitlich orientierte Nachhaltigkeitsverständnis der Ökodörfer, das die ökologischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Dimensionen der Nachhaltigkeit umfasst, in den Kontext ländlicher Gemeinden für eine nachhaltige Dorf- und Regionalentwicklung übertragen werden kann. Zielgruppe des Projekts waren insbesondere ländliche Gemeinden, in welchen Abwanderung und Überalterung, Verlust an Kulturlandschaft und ökologischer Vielfalt sowie soziale und kulturelle Stagnation zu einer schleichenden Not der Bevölkerung sowie ihrer natürlichen Lebensgrundlagen führen.

Nach einem öffentlich ausgeschriebenen Bewerbungsverfahren des Projektträgers GEN Deutschland e.V. haben sich dieser komplexen und herausfordernden Aufgabe folgende Dorf-Kooperationen gestellt:

  • in Baden-Württemberg: Schloss Tempelhof und Hülen
  • in Niedersachsen: Lebensgarten Steyerberg und die Dörfer Flegessen, Klein Süntel und Hasperde
  • in Südniedersachsen/Nordhessen: gASTWERKe Escherode und Ziegenhagen
  • in Sachsen-Anhalt: Ökodorf Sieben Linden und die Region Lindstedt
  • in Thüringen: Schloss Tonndorf/LebensGut Cobstädt und Seebergen

In der ersten Projektphase wurde in interaktiv gestalteten Workshops eine Bestandsaufnahme der zehn teilnehmenden Dörfer vorgenommen. Diese „Nachhaltigkeitsevaluation“ ging der Kernfrage nach: Wie nachhaltig sind wir eigentlich auf der ökologischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Ebene in unserem Dorf aufgestellt? Ziel war es, in den Dörfern ein Bewusstsein für die wechselseitige Abhängigkeit der vier Dimensionen voneinander zu schaffen und dadurch die Motivation bei den Dorfbewohner*innen zu wecken, einen ganzheitlichen nachhaltigen Transformationsansatz zu verfolgen. Bei diesem Pilotversuch der Nachhaltigkeitsevaluationging es außerdem darum, ein neues Werkzeug in der Form einer partizipativen Befragung zu erschaffen, das die Wirkung von nachhaltigen Lebensstilen in Dörfern im deutschsprachigen Raum untersucht. Dabei wurden insbesondere die Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs) und die Indikatoren der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie mit berücksichtigt.

Die Struktur der „Nachhaltigkeitsevaluation“ beruht auf dem Nachhaltigkeitsdiagramm von GEN: den vier Dimensionen der Nachhaltigkeit, die jeweils in sechs Nachhaltigkeitskriterien unterteilt sind. Zu jedem Nachhaltigkeitskriterium, beispielsweise „lokales Wirtschaften“ oder „nachhaltige Mobilität“, wurden die jeweiligen Herausforderungen, Stärken und Ideen im Dorf ermittelt, um den dringendsten Handlungsbedarf im ökologischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Bereich festzustellen und aus diesem Gesamtbild einfallsreiche Projektideen für eine nachhaltige Dorfentwicklung zu gestalten.

In der zweiten Projektphase wurden unter Einbeziehung lokaler Akteur*innen und regionaler Partner*innen konkrete Umsetzungsideen für Projekte in Form von Dorf-Nachhaltigkeitsplänen entwickelt. Auch die Entwicklung eines Dorf-Nachhaltigkeitsplans in der Form eines „partizipativen kontinuierlichen Dorf-Aktionsplans“ ist ein neuartiges Werkzeug und dient dem Aufbau langfristiger, befruchtender, persönlicher und institutioneller Kooperationsbeziehungen. Die Struktur des partizipativen Dorf-Nachhaltigkeitsplans führt ins Thema „Zukunftsfähiges Dorf und nachhaltige Entwicklung“ aus der Ökodorf-Netzwerk Perspektive und in die Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (SDGs) ein. Er beruht auf den Ergebnissen der Nachhaltigkeitsevaluation und selbst entwickelten (Teil-)Leitzielen. Der Kern des Dorf-Nachhaltigkeitsplans sind die Projektideen und Modellprojekte in den vier Dimensionen der Nachhaltigkeit nach folgenden Gesichtspunkten: a) Zielbestimmung, Nachhaltigkeitswirkung, Bezug aller Dimensionen zueinander, Evaluationskriterien; b) Maßnahmen und Aktivitäten; c) Akteursanalyse; d) Zeitplan/Ressourcen & Finanzen; e) Prozesse der Projektentwicklung und f) Inspirationsquellen.


Ergebnisse der Nachhaltigkeitsevaluationen

In ihrer Zusammenstellung geben die Evaluationen einen Einblick in die verschiedenen Wege der Umsetzung von zukunftsfähigen Lebensstilen in Dörfern und Ökodörfern, auf deren Grundlage die beteiligten Akteure, Entscheidungsträger*innen aus Politik und Forschung sowie weitere Interessierte zu nachhaltigen Lebenswegen weiter lernen, reflektieren, forschen und gestalten können.

Als größter Handlungsbedarf der gewachsenen Dörfer ergab sich im Bereich Ökologie die „nachhaltige Mobilität“, bei Ökonomie „lokales Wirtschaften“, im Sozialen „transparente und inklusive Entscheidungsprozesse“ und bei Kultur „Gemeinsame Ausrichtung“. Diese Ergebnisse, wie beispielsweise der Wunsch nach einer gemeinsamen Ausrichtung, spiegelten sich nicht nur in den ausgefüllten Fragebögen, sondern auch in wiederholten Aussagen von Bürger*innen: „Durch das Projekt haben wir endlich wieder einen Raum gefunden, um gemeinsam über die Zukunft unseres Dorfes, das uns allen so am Herzen liegt, ins Gespräch zu kommen.“

Eine weitere, entscheidende Erkenntnis der Kooperationen war, dass es für eine nachhaltige Dorfentwicklung unabdingbar ist, eine dauerhafte Grundlage gemeinschaftlichen Handelns zu schaffen. Hintergrund ist die Auswirkung der Eingemeindungen, durch die Dörfer zu Ortsteilen „degradiert“ werden. Ortsteilbewohner*innen können sich immer weniger für ihr Dorf einsetzen, da die Entscheidungen in der Gemeindeverwaltung teilweise viele Kilometer entfernt getroffen werden. Ein Beispiel dafür ist Gardelegen, flächenmäßig die drittgrößte Stadtgemeinde Deutschlands mit ca. 40 eingemeindeten Dörfern, in der sich u. a. auch die Ortschaft Lindstedt und ihr Kooperationspartner das Ökodorf Sieben Linden befinden. Es fehlt zum einen an Räumen wie Dorfgemeinschaftshäusern, wo Menschen wieder zusammenkommen können, aber auch am Glauben an die eigene Selbstwirksamkeit, dass es möglich ist, gemeinsam die Zukunft des Dorfes in die Hand zu nehmen. In diesem Sinne erhält die fünfte Nachhaltigkeitsdimension „das integrierte partizipative Design“ eine besondere Bedeutung, denn es fordert u. a., alle Beteiligten in zukunftsfähige Gestaltungsprozesse einzubinden.


Die Ergebnisse der Nachhaltigkeitspläne

In den Nachhaltigkeitsplänen der fünf gewachsenen Dörfer wurden insgesamt 41 Projektideen und fünf Modellprojekte beschrieben und die Wirkung jedes Projektes auf die vier Dimensionen der Nachhaltigkeit ausgewertet. Dadurch wurden die Projekte mit der stärksten ganzheitlichen Hebelwirkung erkennbar:

  • In Lindstedt wurden u. a. mit Jugendlichen Sitzbänke kreativ neu gestaltet bzw. repariert und als Modellprojekt ein „öffentliches Wohnzimmer“ für informelle Treffen oder kulturelle Begegnungen geplant.
  • In Ziegenhagen hat sich die „Arbeitsgemeinschaft Nachhaltiges Ziegenhagen“ gegründet, deren 20 Mitwirkende vielfältige Projektideen entwickelt haben, die teilweise schon umgesetzt wurden. Diese reichen von dem Bau einer Mitfahrbank über die Einführung einer Dorfzeitung bis zum Bestreben, ein stillgelegtes Hallenbad wieder zu eröffnen.
  • In Hülen liegt der Schwerpunkt auf der Umnutzung eines Gebäudes zu einem Dorfgemeinschaftshaus. Dieses Projekt soll im Rahmen eines zukünftigen LEADER-Kooperationsprojektes umgesetzt werden. Weitere Ideen sind u. a. das Mitfahr-Bänkle, ein Repair-Café und die Erweiterung des Produktsortiments des „Hülener Lädele“ um lokale Produkte, v. a. regionales Obst und Gemüse.
  • In Seebergen lag der Fokus auf der Wiederbelebung der ehemals sehr reichhaltigen Streuobstwiesen. Plan für die Zukunft ist, die Gemeindeschenke vor Ort wieder mit mehr Leben zu füllen, auch über das zukünftige LEADER-Kooperationsprojekt.
  • In Flegessen, Hasperde und Klein Süntel gibt es bereits seit 2012 ein sehr aktives, partizipatives, basisdemokratisch geprägtes Miteinander, in dem diverse Projektideen entwickelt und realisiert wurden, darunter eine eigene Zeitung, ein Dorfkino, ein Regio-/Bio-Laden, ein Leerstandsmanagement, eine gemeinwohlorientierte Gesellschaft für den Erwerb und die Umwandlung alter Gebäude in Gemeinschaftswohnraum, ein Repair-Café, mehrere Mitfahrangebote etc. Ziel des Nachhaltigkeitsplans war es hier, das breit gefächerte Wirken ganzheitlich zusammenzufassen.

Insgesamt fanden in den Dörfern im Rahmen des Projekts „Leben in zukunftsfähigen Dörfern“ 77 lokale Veranstaltungen mit ca. 1 600 Teilnehmer*innen sowie sechs bundesweite Veranstaltungen mit ca. 150 Teilnehmer*innen statt. Darüber hinaus wurden eine Master-  und eine Hausarbeit sowie zwei Bachelorarbeiten zum Projekt geschrieben.


Auswertung und Erkenntnisse
In einem Expert*innen-Workshop wurden aus den im Projekt gemachten Erfahrungen fünf Thesen bzw. Kernfragen für eine nachhaltige Dorf- und Regionalentwicklung erarbeitet:

  1. Bewusstsein schärfen für eine nachhaltige Dorfentwicklung: Welche Argumente und Botschaften haben Dorfbewohner*innen für eine nachhaltige Dorfentwicklung? Die Balance zwischen „ganzheitlichem Überblick“ und „einfach Anpacken wollen“ finden.
  2. Dorfbewohner*innen stärken und mitnehmen: Wie lassen sich nachhaltige (Dorf-)Innovationen in Dörfern in einen größeren Maßstab transferieren? Herausforderungen der Eigenverantwortung und Verbindlichkeit von Engagierten.
  3. Nachhaltiges Dorfleben im Alltag: Was braucht es, um die Attraktivität des Dorflebens zu fördern und mehr nachhaltige Räume zu gestalten? Neue Perspektiven für Jung und Alt schaffen!
  4. Die Zukunft gemeinschaftlichen Handelns im Dorf: Was haben bisherige Förderprogramme für eine nachhaltige Dorf- und Regionalentwicklung unterstützt und was fehlt noch? Was schaffen Dörfer aus eigener Kraft?
  5. Netzwerke bilden und nutzen: Für eine größere gesellschaftspolitische Wirksamkeit braucht es den Schulterschluss der vielen nachhaltigkeitsorientierten Initiativen: Mögliche Partnerschaften und Ressourcen.


Im Rahmen einer Abschlusskonferenz im September 2018 stellten die Projektträger sowie Dorfbewohner*innen aus den fünf Kooperationsdörfern ihre im Laufe des Projektes gesammelten Erkenntnisse und die in den Dörfern angestoßenen Vorhaben einem größeren Kreis von Teilnehmer*innen aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft vor.

Darüber hinaus wurden die oben genannten fünf Thesen/Kernfragen in Workshops diskutiert. Hervorgehoben wurde hierbei u. a., dass es in vielen Dörfern ratsam ist, zuerst Projekte anzugehen, die auf das Wohlwollen der ganzen Dorfbevölkerung stoßen, wie z. B. eine „Mitfahrbank“, und kostspieligere Projekte wie die Gestaltung eines Dorfgemeinschaftshauses in einem zweiten Schritt umzusetzen. Einen Raum zu schaffen, in dem die Dorfbewohner*innen sich über ihre gemeinsame Zukunft austauschen können, wurde als essenziell betrachtet, um gemeinsame, nachhaltigkeitsorientierte Projekte wie z. B. einen Bio-Dorfladen oder eine solidarische Landwirtschaft gut planen und umsetzen zu können.
Dass die soziale Infrastruktur eines Dorfes genauso wichtig ist wie die technische oder wirtschaftliche, kam auch im Rahmen der Podiumsdiskussion zur Sprache. Simone Strähle, Referentin im Leitungsbereich des Thüringer Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft, wies in diesem Zusammenhangdarauf hin, dass ihr Ministerium „Ortsgespräche – Leben im ländlichen Raum“ initiiert habe. Auf der Grundlage der daraus gewonnenen Erkenntnisse plane das Ministerium, für die Zukunft Förderprogramme für soziale Infrastruktur zu entwickeln.
Die Konferenz hat auch die Relevanz einer bundesweiten Netzwerkbildung durch einen Schulterschluss der Initiativen für eine zukunftsfähige Dorfentwicklung betont. In diesem Zusammenhang plant das Projektleitungsteam (S. Veciana, T. Meier, C. Strünke) von „Leben in zukunftsfähigen Dörfern“ weitere Veranstaltungen, wie z. B. ein Workshop beim bundesweiten Netzwerk21Kongress am 10. und 11. Oktober 2018 in Dessau.

Alle Ergebnisse sowie ein Film über das Projekt „Leben in zukunftsfähigen Dörfern“ und die Arbeit in den Dörfern sind auf der Website des Projektes zum Download verfügbar: http://gen-deutschland.de/wp_gen/projekte/uba-projekt/. Wir stehen Ihnen gerne für weitere Fragen zur Verfügung unter: uba@gen-deutschland.de .

1. Mehr Information zum Nachhaltigkeitsdiagramm von GEN unter: https://ecovillage.org/projects/dimensions-of-sustainability/ (18.09.2018)

Literatur
Veciana, S. / Strünke, C. (2018): "Leben in zukunftsfähigen Dörfern. Ein Modellprojekt zur Unterstützung nachhaltiger ländlicher Entwicklung”. In: Neue Ansätze für die Dorf- und Regionalentwicklung, Agrarsoziale Gesellschaft e.V. ASG, Göttingen, 03/2018, S. 26-29.

Struenke

Christoph Strünke - Studium der „Angewandten Kulturwissenschaften“ an der Universität Lüneburg; Seit 2002 lebt er im Ökodorf Sieben Linden und engagiert sich im Dorfaufbau in verschiedenen Bereichen. In der Zeit von 2004 bis 2014 war er
Geschäftsführer der Siedlungsgenossenschaft Ökodorf, der zentralen Dorf-Organisation. In dem Rahmen hat er auch genossenschaftliche ökologische Betriebe mit aufgebaut (Waldwirtschaft und Gartenbau). Seit über 10 Jahren ist er der
Ansprechpartner für Forschungsanfragen an das Ökodorf Sieben Linden. Seit 2008 unterrichtet Strünke u.a. an der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz ökologische Themen (z.B. Energie, Klimawandel, Landwirtschaft, Ernährung, Konsum,
nachhaltige Lebenswege) für Menschen, die einen ökologischen Freiwilligendienst machen (FöJler/innen) und für werdende Erzieher/innen.

stella veciana

Dr. Stella Veciana - Studium der Experimentellen Kunst an der Universität der Künste in Berlin, Computer Arts an der School of Visual Arts in New York und Kulturpolitik&Management an der Universität Barcelona. Gastprofessur an der Fakultät der Bildenden Künste in Barcelona und Autorin von Online-Mastermodulen beim Postgraduierten Institut von Madrid. 2004 Promotion mit dem Titel "Research Arts: die Schnittstelle Kunst, Wissenschaft und Technologie als Wissens- und Handlungsfeld" an der Universität Barcelona. mehr


DAS ARCHIV PROJEKTE und THEMEN des Bereiches FORSCHEN

2015

4 Dimensions of Sustainability

Juli 2015

DAS THEMA DES MONATS (Jul/Dez 2015): »Der Beitrag der intentionalen Gemeinschaften zu nachhaltigen Lebensweisen und zu einer nachhaltigkeitsorientierten Forschung«
Stella Veciana.

Weltweit sprießen immer mehr nachhaltigkeitsorientierte und selbstorganisierte Grassroot-Initiativen und Gemeinschaften aus dem Boden. Sie setzen sich für einen resilienten sozialen und ökologischen Wandel ein, stellen aber im globalen Kontext nach wie vor nur einen Nischenfaktor dar. Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) weist diesen Pionieren des Wandels (oder „Change Agents“) ein großes strategisches Gewicht für eine Transformation zu mehr Nachhaltigkeit zu. Hier stellt sich jedoch die Frage, wie „diese vereinzelten Nischenakteure sektorenübergreifend eine „kritische Masse“ bilden können und darüber hinaus, ein „Gemeinschaftsgefühl kollektiver Selbstwirksamkeit erreicht und zu einer breiten sozialen Bewegung zusammenfließen könnte”. Die potentielle Wirkungskraft der akademisch-praktischen Zusammenarbeit für die Transformation zur Nachhaltigkeit ist enorm und erfährt durch vernetzende Organisationen wie das Global Ecovillage Network GEN strategische Impulse für die Politik, insbesondere die Forschungspolitik. mehr



Bottom-Up Geschichten

Januar 2015

DAS THEMA DES MONATS (Jan/Apr 2015): »Bottom-Up Geschichten nachhaltigkeitsorientierter partizipativer Forschung
Claudia Neubauer und Stella Veciana.

Das Arbeitspapier „Bottom-Up Geschichten der Zusammenarbeit nachhaltigkeitsorientierter Wissenschaft mit Zivilgesellschaft“ gibt Einblick in auswählte deutsche und europäische Projekte, die Wissenschaft mit und für die Gesellschaft gestalten.
Die Transformationen des Wissenschaftssystems unterliegen einer historischen Entwicklung, die u.a. aus dem Spannungsfeld zwischen dem akademisch-wissenschaftlichen und dem praktisch-(zivil)gesellschaftlichen Wissen hervorgehen. Um die Ausgestaltung und Orientierung von Wissenschaft und Forschungspolitik zukunftsfähig zu gestalten bedarf es mehr gemeinsamer Räume (Shared Spaces), in denen die Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft in dialogischen Formaten gemeinsam Entscheidungen aushandeln. Diese shared spaces sind als Orte der Integration (Schneidewind, 2013; Bergmann, 2010) vielfältiger Wissensformen zu verstehen und benötigen ein entsprechend gutes Regelungssystem (good governance).
Es geht dabei nicht nur um den partizipativen Ansatz der Forschung, sondern auch um die Ausrichtung der gemeinsam durchgeführten Forschung im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung. Nicht jede partizipative Forschung fördert gleichzeitig oder automatisch auch Nachhaltigkeit oder das Gemeinwohl. Zugleich verdeutlichen die aufgeführten Beispiele auch die Schwierigkeiten, die alle aktiven Mitgestalter dieser Shared Spaces erfahren. mehr


2014

Workshop WIRKT
September 2014

DAS PROJEKT UND THEMA DES MONATS (Sep/Dez 2014):

Interdisziplinarität und Wissenstransfer in der künstlerisch-wissenschaftlichen Forschung
Welche Kontexte und Strategien erleichtern den Wissenstransfer? Welche Methoden und Evaluationssysteme für den interdisziplinären Wissenstransfer existieren bereits? Was für ein Wirtschaftsmodell und welche Werte stehen hinter kollektiver Wissensgenerierungsprozesse? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Teilnehmer des Workshops WIRKT: Interdisziplinarität und Wissenstransfer, unter der Leitung von Josep Perelló. Der Workshop fand in HANGAR (Barcelona) vom 9. bis 11. Juli im Rahmen des EU-finanzierten Projekts Soft Control statt. Der Workshop ist auch eine Weiterentwicklung des Protokolls für interdisziplinäre Forschung des Workshops "Synergy: Theorie und interdisziplinäre Praxis", der in HANGAR im Sommer 2013 stattfand.

»Wissenstransfer, Kulturpolitik und Instrumente zur Förderung transdisziplinärer Forschungsgruppen« Tere Badia im Gespräch mit Stella Veciana.
Das Visual Art Centre HANGAR arbeitet daran eine Forschungsgemeinschaft an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft aufzubauen. In dem Interview spricht die Leiterin von HANGAR, Tere Badia, welche Rahmenbedingungen es dazu bedarf. mehr

»Soft Power. Ein Kulturprogramm zur Biotechnologie und zu Biopatente.« Maria ptqk.
Das Projekt hat Soft-Power versucht die Schnittstelle zwischen Biotechnologie und künstlerischen und kulturellen Praktiken zu untersuchen, sowie einen Raum für den Wissensaustausch und die öffentliche Debatte zu diesem Thema zu schaffen. Besondere Aufmerksamkeit wurde auf die Ausdehnung der Bio-Patente gesetzt, was zu einer wachsenden Privatisierung der weltweit genetischen Ressourcen. Insbesondre, geht es um verschiedene Strategien, die von Künstlern und Aktivisten entwickelt wurden, um auf diese Entwicklung zu reagieren: offene Gen- und Bio-Datenbanken, Manifeste, öffentliche Lizenzen oder politische Instrumente wie die Commons oder der "gemeinsamen Erbe der Menschheit". In diesem Zusammenhang führen die indigenen und bio-zentrischen Konzepte der Pachamama oder Sumak Kawsay, eine Paradigmaverschiebung ein. bald mehr

ChallengeYasuni detail
May 2014

DAS PROJEKT DES MONATS (Mai/Aug 2014): »Konferenzen als Shared Spaces | Orte der Wissensintegration: Challenge YASUNI-ITT«
Stella Veciana
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Orte der Begegnung und des Austausches unterschiedlicher Expertisen und Wissensformen sind Konferenzen. In diesen bewegen sich jedoch zumeist mehr oder weniger geschlossene Wissenschafts- und Expertenkreisen, die einer Dimension der Wissensintegration mit praktischem und angewandten Wissen nicht gerecht werden. Wie könnte ein shared space, als ein Ort der Integration verschiedener Wissensformen und ein Ort der Begegnung für Vielfalt und Komplementarität neu gestaltet werden?

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TischleinDeckDich


 

 

 



Januar 2014

DAS PROJEKT DES MONATS (Jan/Apr 2014): »WHY CULTURE MATTERSSteffi Ober.
Um eine gemeinsame Vorstellung davon zu entwickeln, wie eine nachhaltige Zukunft aussehen kann, nutzen die Nachhaltigkeitswissenschaften inter- und transdisziplinäre Forschungsansätze - ausgehend von der Erkenntnis, dass die Welt zu komplex, dass nur, wenn die Disziplinen aus Natur- und Geisteswissenschaften, Politik und Zivilgesellschaft in einander greifen, das „vernünftige Ganze“ aufscheinen und handlungsleitend werden kann. Dazu bedarf es einer neuen Kultur in den etablierten Wissenschaftsorganisationen von der Deutschen Forschungsgesellschaft bis zum Bundesministerium für Forschung und Bildung. Transdisziplinäre Ansätze finden sich dort in der Entwicklung von Forschungsprogrammen, Begutachtung von Forschungsergebnissen, der Suche nach den geeigneten Projekten selte
n bis nie.

»Plädoyer für eine Kultur der Kommunikation und der Selbstreflektion in der WissenschaftStella Veciana.
Wie kann eine Kultur der Selbstreflektion in die etablierten Wissenschaftsorganisationen eingeführt und eine wechselseitige Kommunikationskultur zwischen Wissenschaft und Gesellschaft entwickelt werden? mehr

2013

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DAS THEMA DES MONATS (Jan/Apr 2013): »Eine Forschungsagenda an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft?« Vom Forschungsagenda-Pionier Stephen Wilson zum SEAD-Netzwerk. Stella Veciana - Ein kurzer Einblick in die Forschungsagenda der »Information Arts« von Stephen Wilson und in die Weißbuch-Ausschreibung der SEAD, die einem neuen Forschungsplan auf der Spur ist, ansetzend an den Schnittstellen Wissenschaft, Technologie, Kunst & Design. mehr

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DAS PROJEKT DES MONATS (Mai/Aug 2013): »Das ganz Neue«. Miriam Wiesel, Axel Schmidt. - Welche sind die Hintergründe des gegenwärtigen Energieregime-wechsels auf der Erde? Der 23. Kreuzberger Salon-Abend widmet sich der Hypothese des Übergangs des Zeitalters des Holozäns zu dem des Anthropozäns. Bezugspunkt ist die Eröffnung der »Anthropozän-Projekts« im Haus der Kulturen der Welt Berlin. Der Kreuzberger Salon wurde von Miriam Wisel und Axel Schmidt 2010 gegründet und trifft sich monatlich, um über das Themenfeld Stadt >< Land zu diskutieren. mehr

DAS THEMA DES MONATS (Mai/Aug 2013): »Der Mensch im Mittelpunkt: Geologen spekulieren mit einem 'menschlich Neu gemachten' Zeitalter und das Haus der Kulturen der Welt mit einer neuen Forschungsagenda.« Stella Veciana. - Hat eine neues "Menschenzeitalter" begonnen und wenn ja, welche globale Konsequenzen sind dadurch zu erwarten? Seit Januar 2013 werden im HKW die ethischen, ästhetischen, politischen und ökonomischen Dimensionen des Anthropozäns diskutiert. Eine Reflexion darüber, was wir von dieser aus der Geologie entfachten Diskussion für unseren Alltag mitnehmen können bzw. welchen Beitrag diese These für eine nachhaltig orientierte Gesellschaft zu leisten vermag. mehr

DAS PROJEKT UND THEMA DES MONATS (Sep/Dez 2013):

Inter- und Transdisziplinarität: treibende Synergien in gemeinsamen Forschungsprojekten der Kunst und Wissenschaft
Wie können wir mit den Herausforderungen inter-und transdisziplinärer Forschung umgehen? Genau diese Frage stellten sich die Teilnehmer des Workshops Synergy: Interdisziplinäre Praxis und Theorie, unter der Leitung von Simon Penny, Roc Parés und Mara Balestrini. Der Workshop fand in HANGAR (Barcelona) vom 28. bis 30. Juni im Rahmen des EU-finanzierten Projekts Soft Control statt. In diesem Bereich der Research Arts Plattform werden eine Reihe von Artikeln über Interdisziplinarität von den Teilnehmern und Leitern des Workshops vorgestellt.

»Was meinen wir mit Interdisziplinarität und warum machen wir uns darüber Gedanken?«
Simon Penny.
Interdisziplinarität ist ein Thema, das rund um Pädagogik und Forschung kreist; es ist modisch geworden und wird als Quelle von Innovation gelobt. Leider wird der Begriff häufig in Initiativen genutzt, die den Begriff nur in begrenzter oder sogar kontra-produktiver Art und Weise nutzen. Die erste Frage, die bei einem solchen Vorhaben daher gefragt werden muss, ist, warum und zu welchem Zweck der Begriff eigesetzt wird. (English) mehr

»
Ein Physiker, ein Soziologe und ein Künstler kommen in eine Bar... - was kann Humor in den verschiedenen Typologien interdisziplinärer Projekte bewirken?« Swen Seebach.
Der kommende Beitrag wird sich mit vier verschiedenen Formen der Interdisziplinarität (hierarchischer, symmetrischer, kollaborierender, und individueller Interdisziplinarität) auseinandersetzen. Die Basis dieser Reflektion über Interdisziplinarität sind die empirischen Beobachtungen an dem interdisziplinären Workshop Synergy, der in HANGAR (Barcelona) im Juli 2013 im Rahmen eines europageförderten Projektes Soft Control stattfand. mehr

»Die kulturelle Bedeutung der Interdisziplinarität im Kontext einer unnachhaltigen technisierten hyper-konsumorientierten Gesellschaft.« Roc Parés.
Wir leben in einer Zeit, in der kulturelle Praxen durch die Marktwirtschaft und mit Zustimmung öffentlicher Institutionen der Gesellschaft systematisch entzogen werden. Kunst und Wissenschaft sind entführt worden und werden der Gesellschaft in Form von konsumierbaren Geräten und militärischen Maschinenerzeugnisse zurückgegeben. (English) mehr

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