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DAS THEMA DES MONATS (Mai/Aug 2014): »Kunst und Wissenschaft. Wo Felder kollidieren - Scienceville, Santral und die Hybrid Plattform.«

Eno Henze

Die Kunst der Wissenschaft. Foto: Eno Hentze.

 

 

 

 

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Scienceville Beirat. Quelle: Scienceville.

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Foto: Ebba Durstewitz.

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Foto: Jakobus Durstewitz.




Santral

Quelle; :Sanstral Istanbul.

Santral

Sanstral Istanbul. Foto: Kaan Kiran
.

 

 

 

 

 

 

hybrid plattform

 

 

 

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Struktur der Hybrid-Plattform.

 

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Projekte der Hybrid-Plattform.

 

 

»Kunst und Wissenschaft. Wo Felder kollidieren - Scienceville, Santral und die Hybrid Plattform.« Annika Hintz

 

Das Zusammenspiel von Kunst und Wissenschaft hat vor allem seit den vergangenen zehn Jahren Konjunktur: verstärkt sind seither inter- und transdisziplinäre Projekte, Tagungen, Seminare und Vorlesungen, sowie Publikationen zu verzeichnen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die gemeinhin als disparat wahrgenommenen Disziplinen genauer zu beleuchten, ihre Wechselwirkungen und Konvergenzen aufzuzeigen. Die HfbK Hamburg etwa widmete sich in den Jahren 2011 und 2013 in Zusammenarbeit mit der Hamburger Kunsthalle und dem Kunstverein Hamburg dem Thema mit der Veranstaltungsreihe „querdurch kunst + wissenschaft“. Die Angewandte Universität in Wien bietet den Studiengang „Art & Science“ an, in dem die Synergien zwischen Kunst und Wissenschaft untersucht werden, um diese nicht zuletzt zur Modell- und Theorienbildungen zu nutzen. Die Universität Hamburg beleuchtete das Thema erst kürzlich innerhalb der Tagung zur „Postdigitalität und Film“ im Juli 2013 und das Berliner Haus der Kulturen (HDK) als kosmopolitischer Ort der zeitgenössischen Künste fühlt sich dem Thema der Verknüpfung von Kunst und Wissenschaft im aktuellen Diskurs gemeinhin verbunden, eröffnet in diesem Sinne Wissens- und Experimentierräume um immer neue Perspektiven in unserem Zeitalter der immensen und immerzu wachsenden Komplexität freizulegen. Und dies sind nur einige Beispiele, die zu nennen wären.

Doch trotz dieser nicht zu übersehenden Tendenz verbleibt das Thema noch immer viel zu oft im akademischen und wissenschaftskommunikativen Kontext, ohne dass es im Feld direkte Anwendung findet. Doch, wie kann dies sein, wenn der Diskurs gemeinhin als wichtig angesehen und vielseitig an Universitäten geschult, diskutiert und so in die heutige thematische Praxis aufgenommen wird? Wie ist es demnach zu schaffen, das Thema aus seiner Abstraktion zu befreien, es anschaulich zu gestalten und in den Arbeitsweisen abseits des universitären Kontextes zu etablieren und somit durch Anwendung verstärkt auch in den breiten Massen der Gesellschaft publik zu machen?

Es wird höchste Zeit die Disziplinen über den bisherigen Diskurs hinweg zu vereinen, sie dorthin zu versetzen, wo sie real kollidieren, wo Fragestellungen gemeinsam entwickelt und untersucht werden, wo Lösungen auf gemeinsamer Ebene gefunden werden und so eine Zusammenarbeit der Disziplinen direkt an einem gemeinsamen Ort stattfindet.

So hat es sich das noch im Aufbau befindliche Hamburger Projekt „Scienceville“ zur Aufgabe gemacht diese Lücke zu schließen. In der offenen Struktur eines alten Laborgebäudes im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg, sollen Vertreter von Kunst und Wissenschaft an Ort und Stelle auf einander treffen und die Öffentlichkeit eingeladen werden, dem Diskurs beizuwohnen. Besonders im Falle von Scienceville ist nicht nur der Ansatz, Kunst und Wissenschaft nicht allein in ihren bloßen Verhältnissen zu beleuchten und zu verhandeln, sondern sie als gemeinsamen Ausgangspunkt vorauszusetzen und so viel direkter mit dem Dualismus zu arbeiten. Signifikant ist auch die durchaus hohe Anforderung den Dialog einer breiten Masse – und damit vor allem auch Menschen dem der Zugang gemeinhin als vorenthalten gilt – zugänglich zu machen. Geschehen soll dies unter anderem durch eine Zusammenarbeit und Verknüpfung der weiteren weitaus pop-kulturelleren Projekte der Kopf und Steine GmbH – die der Initiator des Scienceville ist –, wie etwa dem MS Dockville Festival, das auf dem selben Areal, auf dem auch das Scienceville Labor steht, stattfindet. Das bereits im achten Jahr befindliche Festival vereint Musik und Kunst und wohingegen das Musikfestival bloß an einem Wochenende im August stattfindet, bildet der Kunstteil ein mehrwöchiges Vorprogramm für das Festival.

Rund vier Wochen Aufbauzeit und wiederum vier Präsentationswochenenden umfasst das ehemalige „MS Dockville Kunstcamp“, das von nun an „MS Artville“ heißen wird. Als wichtiger Faktor gilt im Kunstteil auch immer die Prozesshaftigkeit, in der eine Entwicklung der Projekte direkt vor Ort vorausgesetzt wird. Oft geschieht dies durch Austausch mit den anderen Künstlern, aber auch anhand der Erforschung des Stadtteils Wilhelsmburg und der vielseitigen Fläche, die neben dem industriellen Charme des Hafens auch eine verwilderte Naturlandschaft zu bieten hat. Doch als seien Kunst- und Musik nicht bereits genug, soll mit dem „Scienceville“ ein weiterer Kosmos der Wissenschafts- und Kunstvermittlung hinzukommen, der unterschiedlichste soziale Gruppen unterschiedlichsten Alters mit dem Dualismus von Kunst und Wissenschaft vertraut macht, ohne elitär zu sein oder ins Diffuse abzudriften. Es soll Interesse wecken und neue Wege ebnen, Wege ins „populär“-Wissenschaftliche, ganz entgegen der Annahme, dass Kunst und Wissenschaft elitär seien. Ziel ist so auch ganz generell Berührungsängste und Vorurteile hinsichtlich beider Sparten abzubauen. Sollte dies gelingen, wäre das Scienceville eine enorme Bereicherung für den noch immer als Brennpunkt – wenngleich auch als hippes Gentrifizierungsviertel – geltenden Stadtteil Wilhelmsburg, aber natürlich auch für die Gattungen an sich. Das „Scienceville“ soll ein weiterer weitaus projektorientierterer Wegweiser in der Landschaft des Diskurses sein, der hin zu einem neuen Verständnis der Öffnung beider Sparten im Einzelnen und vor allem auch in ihrer zusammengeführten Betrachtung führt.

Passieren soll dies nicht zuletzt durch die Vergabe von Stipendien an (Nachwuchs)Wissenschaftler und Künstler für Projekte an den expliziten Schnittstellen. Vom „Nichtwissen und Nichtverstehen“ soll der erste Arbeitstitel des Scienceville voraussichtlich handeln. Dieser durchaus poetische Ansatz entspricht wohl auch Albert Einsteins These, dass das Schönste, was wir erfahren könnten, das Mysteriöse sei. Es sei Quell aller wahren Kunst und Wissenschaft. Alle drei Worte – das Nichtverstehen, das Nichtwissen und auch das Mysteriöse – beschreiben im Einfachsten Sinne die Bestrebung – den Motor – beider Sparten, zeigen Parallelen auf, die zwar durchaus Nahe liegen und dennoch leicht übersehen werden. Weitere Fragestellungen könnten etwa die Untersuchung von Verstehen und Wissen sein: wie stehen die beiden Parameter zu einander und wissen wir mehr, als wir verstehen oder verstehen wir andersherum mehr als wir wissen? Oft wird auch die Auffassung vertreten, dass Verstehen, Forschen und Wissen nicht mit einem ästhetisch-künstlerischen Tun einhergehen können, denn dieses hängt noch immer an der romantischen Erfahrung des Nicht-Verstehens als Voraussetzung einer besonders ästhetischen Erfahrung. Doch ist dem so? Und ist nicht gerade auch das Nicht-Verstehen ebenso treibende Kraft der Wissenschaften? Ziel des Scienceville ist es so unter anderem wissenschaftlich Kreativität und andersherum kreativ Wissenschaft an einem gemeinsamen Ort zu untersuchen und zu beleuchten.

Gewissermaßen verglichen oder als Vorbild angesehen werden, kann das Vorhaben des Hamburger Projekts mit dem bereits erfolgreich realisiertem Kunst- und Wissenschaftszentrum „Santral Istanbul“ in der Türkei: wie auch das Scienceville wählte das Istanbuler Pendant ein ehemaliges Industriegebiet für sein Vorhaben. In diesem Falle kein Labor, sondern das Areal eines ehemaligen Kraftwerks, das Istanbul von 1914 bis 1983 mit Strom versorgte und in einem der ältesten Industrieviertel der Stadt liegt. Seit 2007 entstand dort nach Jahrzehnten der Nicht-Nutzung  in Zusammenarbeit mit der Bilgi Universität, sowie privaten Sponsoren eine Neugestaltung auf 118.000 Quadratmetern, bei der unter anderem ein übergreifendes Kunst- und Wissenschaftszentrum samt eines Museumskomplexes mit einem Museen für moderne Kunst und einem Energiemuseum, ein Dokumentationszentrum samt Kino, ein Amphitheater, eine Bibliothek, eine Werkstatt oder auch ein Kulturzentrum für junge Künstler und Wissenschaftler als auch mehrere Konzerthallen entstanden.

Nicht verwunderlich sind die drei wichtigsten Komponenten der Kunstfabrik Santral Istanbul: Austausch, Raum für Kunst und Wissenschaft sowie Interdisziplinarität. Der Standort wird zudem als weiterer Teil der Universitätsstätte der Bilgi Universität genutzt und ebenso wie es beim Scienceville angedacht wird, öffnet vor allem ein interessantes und weites Rahmenprogramm mit unterschiedlichsten kulturellen und wissenschaftlichen Veranstaltungen einem weiten Publikum Zugang und Raum zur Interaktion. Dazu gehört auch die Zurverfügungstellung von Büro- und Atelierräumen in denen Künstler und Wissenschaftler unter anderem aus den Bereichen Design, Architektur, (Natur-)
Wissenschaft und Kunst ein Jahr lang arbeiten und sich austauschen können und so auf einfachem Wege eine Kooperation stattfinden kann. Spannend jedoch ist im Santral auch die Vernetzung von lokalem Publikum und internationalen Besuchern, denn mittlerweile kommt nicht nur kein Reiseführer ohne die Empfehlung eines Besuchs mehr aus, sondern es sind nicht nur die spannendsten einheimischen zeitgenössischen Künstler, die ausgestellt werden, sondern auch internationale Künstler finden ihren Platz in den Museen, internationale Theaterstücke werden aufgeführt und Künstler aus der ganzen Welt spielen hier Konzerte. Das „Santral Istanbul“ gilt so mittlerweile über die Grenzen hinweg als eines der spannendsten Orte der türkischen Metropole, wird gerne mit dem Londoner Tate Museum als „Tate alla turca“ oder mit einer Weiterentwicklung des Pariser Centre Pompidou verglichen.

Aber auch die Metropole Berlin – gemeinhin nicht nur als die Deutsche Hauptstadt, sondern vor allem auch als die Hauptstadt der „Creative Industries“ bekannt – will dem in nichts nachstehen. Die „Hybrid Plattform“ basiert zwar erneut auf einem universitären Projekt der Universität der Künste Berlin sowie der Technischen Universität Berlin, ihr Ziel ist es jedoch vor allem zukunfts- und projektorientiert über diesen universitären Kontext hinaus, die Probleme unserer Zeit zu lösen, egal ob in Hinsicht des Klimawandels, der Ressourcenknappheit, der rasant wachsenden Weltbevölkerung oder aber in Fragen hinsichtlich von Massenproduktion und anderer gesellschaftlicher sozialer Themen. Da die meisten unserer heutigen Probleme längst nicht mehr in spezifischen Sparten mitsamt ihrer Grenzen zu lösen sind, treffen hier Umweltwissenschaftler, Design-, Architektur- und Maschinenbaustudenten ganz selbstverständlich aufeinander und vereinen ihre Kompetenzen künstlerisch-gestalterischer sowie ingenieur- und naturwissenschaftlicher Art um gemeinsam an Lösungen für eine bessere Zukunft zu arbeiten.

Dieses Prinzip der Interaktion führt zu einem 360° Ansatz, der möglichst weite Horizonte und damit zugleich weitreichende Perspektiven eröffnen soll. Weiterführend wird bei der „Hybrid Plattform“ nicht nur ein genereller Perspektivwechsel, ein Querdenken angestrebt, sondern darüber hinaus das Ziel zukunftsorientiert Unternehmenskooperationen an Land zu ziehen. Kurz gesagt: die Studenten sollen lernen sich auf dem realen Markt umzusehen, erste Kontakte zu knüpfen und vor allem einen Eindruck bekommen, wie sie sich möglichst auf ihm etablieren können. Diesbezüglich bietet die Hybrid Plattform Hilfe bei Unternehmensgründungen und Verwertung von Ideen an. Auch können sich umgekehrt Firmen mit konkreten Problemen und Fragestellungen direkt an die Hybrid Plattform wenden, um so eine Kooperation einzugehen und gemeinsam in Interaktion des universitären Wissenschaftskontext im mindesten Falle einen Lösungsansatz oder sogar im besten Falle eine verwertbare Lösung zu finden. Im wiederum umgekehrten Falle hilft es den Studenten ungemein sich mit den Anforderungen des Marktes und dem praktischen Arbeiten vertraut zu machen.

Besonders hilfreich für alle Parteien ist hierbei die durchaus anschauliche und vor allem ungemein übersichtliche Homepage der Hybrid Plattform auf der aktuelle Projekte, genauso gut wie abgeschlossene und Projektideen eingesehen werden können. Anhand dessen ist es wesentlich einfacher einen konkreten Einblick in das Thema der konkreten Inter- und Transdisziplinarität zu erhalten. Diese Übersicht enthält neben der Fragestellung und dem Inhalt des Projekts, sowie damit verbunden dem Nutzen und einer Zielgruppenanalyse, auch immer explizit die passenden Ansprech- und Projektpartner, die beteiligt sind oder waren und an die man sich wenden kann. Diese Standardisierung ermöglicht es sich leicht einen Überblick zu verschaffen, die sich auf großartige Art und Weise über die vermeintliche Komplexität der Kombination von Kunst und Wissenschaft hinwegsetzt und klarmacht, wie einfach und ebenso wichtig die Vereinigung ganz konkret sein kann. Mit nur wenigen Klicks erhält man einen kompletten Überblick über die Geschichte, das Vorhaben als auch über die Projekte und ihre direkte Anwendbarkeit. Diese durchstrukturierte Einfachheit der Seite überträgt sich so auch inhaltlich, nimmt die durchaus noch immer gegebene Scheu bezüglich der Anwendbarkeit, der sich kollidierenden Felder. Zugleich nimmt sie die Scheu sich zu informieren, sich einzumischen oder Fragen zu stellen.

Der Hybrid Plattform gelingt es auf besonders gute Art und Weise konkrete Projekte in ihrer Anwendbarkeit auf einfachste Weise zu visualisieren, sie anschaulich und erlebbar zu machen ohne vorauszusetzen, dass man tief in das Thema eintauchen müsste, um es zu verstehen. So fragt man sich derzeit unter anderem, welches Nachnutzungsprogramm sich für das denkmalgeschützte ehemalige Abwasserpumpwerk „Radialsystem XII“ im Berliner Stadtteil Friedrichshain eignen würde oder wie man älteren Menschen ihre Berührungsängste mit neuen Technologien durch spielerischen Umgang nehmen könnte. Diese Projekte wecken auf Anhieb Interesse, da sie uns konkret betreffen. Wir können uns darunter etwas vorstellen und verstehen die Sinnhaftigkeit des Projekts. Sei es hinsichtlich der Nachnutzung auf einer stadtteilbasierten kulturellen Ebene oder der wissenschaftlichen Nachhaltigkeitsdebatte und betrefflich  der immer neuen Technik und auf psychologisch-technologischer Ebene.

Das Berliner „Hybrid Plattform“-Projekt zeigt, dass der Diskurs, ob Kunst und Wissenschaft überhaupt einhergehen können, durch eine direkte Zusammenarbeit mitsamt einer und einfachen und konkreten Darstellung viel leichter geklärt und einem breiten Publikum zugänglich werden kann, als ihn weiterhin größtenteils nur zu diskutieren. Frei nach dem Motto „Versuch macht klug!“. Fraglich mag dem einen oder anderen nun sein, ob es denn gar nicht mehr sinnvoll ist klare Trennlinien zwischen den Disziplinen zu ziehen. Anders gesagt: Müssen Kunst und Wissenschaft heutzutage immer Hand in Hand einhergehen?

Nein, das müssen sie nicht und sie tun es auch längst nicht. Faszination, Phantasie und Neugier sind klare Parallelen von Kunst und Wissenschaft, sie sind es, was beide Felder antreibt, die das Feuer entfachen. Kunst und Wissenschaft bilden ebenso beide gesellschaftliche und kulturelle Eckpunkte, die uns definieren, die unsere Denkweisen und die Sicht auf die Welt ausmachen, die uns erklären und verbildlichen, was und warum wir sind, die Fragen und Lösungen aufbringen. Und klar wird auch eines: Kunst und Wissenschaft haben weit mehr gemein als noch immer viel zu oft angenommen. Doch ihre Unterschiede zu ignorieren wäre ebenso grundfalsch, wie beide Sparten immer im Einklang betrachten zu wollen. Denn gerade auch die Unterschiede sind es, die den Dialog der beiden Disziplinen so produktiv machen. Und so darf am Ende eines auf keinen Fall vergessen werden: auch wenn es in unserem Zeitalter der immensen Komplexität, in der Grenzen weitaus seltener eindeutig auszumachen sind, Sinn macht Kunst und Wissenschaft zu vereinen, gemeinsame Fragestellungen und Lösungsansätze zu entwickeln und ihnen so einen gemeinsamen Wissensraum – wie etwa dem Santral Istanbul, der Hybrid Plattform Berlin oder dem in der Planung befindlichen Scienceville in Hamburg zu schaffen –, so unterliegt die Wissenschaft doch immer der epistemischen Verpflichtung Wissen zu generieren.

Anders ist dies bei der Kunst. Sie hat keine epistemischen Verplichtungen – und das ist ihr großes Privileg! Kaum verwunderlich erscheint es von daher, dass sich die Künste und Kulturwissenschaften dem inter- und transdisziplinären Prozess zwischen Kunst und Wissenschaft weit mehr zu öffnen scheinen, als andersherum die Wissenschaften mit ihrer Ernsthaftigkeit die Welt erklärbar machen zu müssen, dem künstlerischen Herangehen. So bin ich in meiner Recherche auf weitaus mehr Quellen von Projekten gestoßen, die vielmehr von Kunst und Kultur initiiert wurden, als andersherum. So gesehen herrschen auch immer noch Vorurteile und Grenzen in den Sparten, doch gilt es nach Jahrhunderten des Einhergehens von Kunst und Wissenschaft und abermals nach Jahrhunderten der Trennung, auch einiges aufzuarbeiten. So bleibt nur zu hoffen, dass dies vielmehr bisher so ist und sich die Partizipatoren der Felder im Laufe der nächsten Jahre immer weiter öffnen und es so durchaus normal wird zu interagieren anstatt sich gegenseitige Barrieren in der Tradition der „Science Wars“, rund um die Sokal Debatte, aufzuerlegen.

 

Weitere Quellen:


http://www.artandsciencejournal.com/
http://artscience.uni-ak.ac.at
http://www.dieangewandte.at
www.facebook.com/sciencevillehamburg
http://forum-wissenschaft-und-kunst.de
http://www.kunst-als-wissenschaft.de
http://www.kunstzitate.de
http://www.labkultur.tv/blog/kunst-und-wissenschaft-einem-ort-santral-istanbul
http://postdigital-film.de
http://querdurch.hfbk.net
http://www.tu-berlin.de



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Annika Hintz

Annika Hintz - geboren 1991 am Stadtrand von Hamburg, wohnt mitterweile auf St. Pauli und studiert seit 2011 Kulturwissenschaften mit den Schwerpunkten Kunst und visuelle Kultur, sowie Raumwissenschaften an der Leuphana Universität in Lüneburg. Neben dieser weitestgehend theoretischen Arbeit an Kunst und Raum, widmet sie sich bereits seit dem Jahre 2008 der Praxis innerhalb des "Kopf und Steine Kosmos" rund ums Dockville Festival, sowie deren zahlreichen Unterformaten (Spektrum, Artville - ehemals "Kunstcamp", Symfotronik, Butterland, usw.). Ihr Interesse für Musik, Kunst und Raum kann sie somit auf vielseitigste Art und Weise vereinen, anregende Kontakte knüpfen und Wissen ständig erweitern. Foto: Conrad Hübbe.


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