RESEARCH ARTS
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ÜBERSETZEN - zwischen den vielfältigen Sprachen der Wissenschaft, der Wahrnehmung von Realität, Wertevorstellungen und Gedächtnisformen. Wie können wir uns verständigen? Welche Herangehensweisen und Handlungsfelder des Übersetzens, Vergleichens, Kommunizierens und Archivierens von Wissens gibt es?
Welche können uns als Brücken der Verständigung dienen?
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DAS THEMA DES MONATS (Jan/Jun 2016): »Forschung in Gemeinschaften – Gemeinschaftsbildung als Experimentierraum«


 


Transdisziplinäres Reallabor Tempelhof

Forschung in Gemeinschaft am Beispiel von Studierenden der Leuphana Universität mit Gemeinschaftsbewohner von Schloss Tempelhof. Foto: Stella Veciana.

 

 

Forschung in Gemeinschaften – Gemeinschaftsbildung als Experimentierraum, Teil 1
Stella Veciana und Sabine Bartscherer


Welche Fähigkeiten, Einstellungen, Verhaltensweisen und innere Haltungen sind entscheidend, wenn Wissenschaftler/innen und Bewohner/innen von intentionalen Gemeinschaften gemeinsam forschen wollen?
 
Die sozialen Kompetenzen für eine professionelle Zusammenarbeit sind theoretisch durchweg bekannt und die Ansprüche an die Mitstreiter/innen scheinen stetig zu wachsen: u.a. Konfliktfähigkeit, Teamfähigkeit, Vertrauen, Engagement, Motivations- und Kommunikationsfähigkeit, Flexibilität, Selbstbewusstsein, Kreativität und Offenheit. Diese Liste ließe sich um etliche weitere Fähigkeiten erweitern wie empathisches Zuhören oder die Fähigkeit Unterschiede zu überbrücken und mag gegenüber der notwendigen fachlichen Kompetenzen und Wissen dem einen oder anderen aufgeblasen erscheinen.

Für die Gemeinschaftsforschung jedoch, und darüber hinaus für die sogenannte „Offene Wissenschaft“ bei der Akademiker und Praktiker in partizipativen Forschungsprojekten auf Augenhöhe zusammenarbeiten, sind gerade die gesellschaftlichen Kompetenzen der Dreh- und Angelpunkt für das Gelingen. Denn es müssen nicht nur fachliche Sprachbarrieren beim Wissensaustausch überwunden werden, wenn über neue Lösungswege für regionale Kreislaufwirtschaft, Altersversorgung, autarke Nahrungsmittelversorgung oder die Übertragung ruraler Innovationen von Ökodörfern in urbane Strukturen gesucht werden. Damit die sogenannten „Pioniere des Wandels“ ihre innovativen Anwendungen und pragmatischen Experimente für eine gelebte Nachhaltigkeit mit Wissenschaftler/innen teilen können, bedarf es neben Zeit und Geld, spezifische Kooperationsmethoden.

Eine insbesondere für Wissenschaftler/innen und Gemeinschaftsbewohner/innen ausgerichtete Kooperationsmethode, wird in einem Think Tank in Sieben Linden im September 2016 erstmalig von Stella Veciana und Sabine Bartscherer eingeführt werden. Ziel des Think Tanks ist es sich gemeinsamen nachhaltigen Forschungsthemen anzunähern und in Projekten umzusetzen.

Seit 1998 entwickelt Stella Veciana neue Methoden fachübergreifender und interkultureller Zusammenarbeit und seit 2008 ist Sabine Bartscherer Begleiterin (Facilitatorin) für Gemeinschaftsbildung (Community Building). Gemeinsam wenden sie die „Aufgabe/Prozess“ (Task/Process) Methode nach Scott Peck im Forschungskontext an. Die „Aufgabe/Prozess“ Methode hilft Arbeitsgruppen zwischen Arbeits- und Prozessphasen zu wechseln. Die Prozessphasen schaffen ein Arbeitsumfeld mit „echten“ Begegnungen zwischen den Teilnehmer/innen. Dadurch können persönliche und fachliche Potentiale voll zur Entfaltung gelangen. In den Arbeitsphasen entsteht eine ungewöhnliche „Chaosbereitschaft“ für innovative Lösungsansätze. Dies ermöglicht komplexe Problemstellungen innovativ und zugleich zielführend zu lösen. Die Methode folgt dabei dem Prinzip der „Group of all Leaders“ (Selbstführung), die neue und sinnstiftende Formen der Zusammenarbeit ermöglichen.

Vom 09.09.2016 bis 11.09.2016 wird im Ökodorf Sieben Linden der Think-Tank "Forschung in Gemeinschaften – Gemeinschaftsbildung als Experimentierraum" stattfinden, der Bürgerwissenschaftler/innen und Wissenschaftler/innen einlädt gemeinsam innovative nachhaltigkeitsorientierte Forschungsthemen zu entwickeln.

Hintergrund dieses prozessorientierten Think-Tanks ist einen Experimentierraum zu schaffen, der unsere Wirkungskraft als Impulsgeber des gesellschaftlichen Wandels bestärkt: die nachhaltige Lebenskultur von Gemeinschaften und ihre sozial-ökologischen Experimente werden in Forschungsthemen weiterentwickelt und in Projekten umgesetzt. Es werden neue Möglichkeiten für sinnstiftende Formen der Zusammenarbeit geschaffen. Daraus soll eine kontinuierliche Austauschplattform zwischen Bürgerwissenschaftler/innen und Wissenschaftler/innen wachsen, die sich zugleich an verschiedene Lebensumstände und gemeinsame Bedürfnisse orientiert.

Weitere Informationen zur Veranstaltung sind hier zu finden: http://seminare.siebenlinden.de/seminar/show/gemeinschaft-forschung-16

 

Bartscherer

Sabine Bartscherer - Master of Sciene (Solararchitecture), Akademische Expertin für Solares Planen und Bauen. Jahrgang 1966, Architektin, Lektorin auf der Akademie der Bild. Künste/Wien bis 2013 und Facilitatorin „Gemeinschaftsbildung nach Scott Peck". 2004-10 Wohnprojekt bei Wien, 2010 Mitbegründerin Lebensgemeinschaft Schloss Oberbrunn.
Ausbildung zur Facilitatorin für den "Community Building Process nach Scott Peck": Jahres-/Ausbildungsgruppe bei Höper & Brase (D), Bertens & Kanters (NL) (Zertifizierung, LEP) und bei Workshops des FCE (USA). Erfahrung: ca. 120 Workshops, weltweit (auch in englischer/französischer Sprache: Bali, Frankreich, England, Tschechische Republik, Österreich, Schweiz...), 2009+2010+2015 Leitung einer Ausbildungsgruppe.
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stella veciana

Dr. Stella Veciana - Studium der Experimentellen Kunst an der Universität der Künste in Berlin, Computer Arts an der School of Visual Arts in New York und Kulturpolitik&Management an der Universität Barcelona. Gastprofessur an der Fakultät der Bildenden Künste in Barcelona und Autorin von Online-Mastermodulen beim Postgraduierten Institut von Madrid. 2004 Promotion mit dem Titel "Research Arts: die Schnittstelle Kunst, Wissenschaft und Technologie als Wissens- und Handlungsfeld" an der Universität Barcelona. mehr



DAS ARCHIV PROJEKTE und THEMEN des Bereiches ÜBERSETZEN

2015

Community Building

Juli 2015

DAS THEMA DES MONATS (Jul/Dez 2015): »Methoden der Selbst-ermächtigung intentionaler Gemeinschaften in der Praxis und Bildungsarbeit.«
Stella Veciana im Gespräch mit Kariin Ottmar

Intentionale Gemeinschaften sind Vorreiter in der Entwicklung neuer Strategien der Selbstermächtigung und autonomer Formen der Selbstverwaltung. Inwiefern stellen sie eine Alternative zu dominanten marktorientierten und bürokratischen Machtverhältnissen dar? Das Curriculum der Erwachsenenbildung "Ecovillage Design Erziehung (EDE)" definiert Macht als unsere Fähigkeit Menschen, Gruppen, Systeme und Lebenskulturen zu schaffen, zu erhalten, zu verändern und zu beeinflussen. Welche Methoden der Förderung von Selbstermächtigung praktizieren intentionale Gemeinschaften in ihrem Alltagsleben? Wie werden aus dem Alltagspraxis Kurse für Erwachsenenbildung entwickelt und in welcher Art und Weise regen sie tatsächlich zur Selbstermächtigung an? Fördern diese Selbstermächtigungsmethoden auch ein nachhaltigeres Verhalten und die Entwicklung von mehr sozial-ökologischer Innovation?
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WIRKT

Januar 2015

DAS THEMA DES MONATS (Jan/Jun 2015): »Über die Notwendigkeit offene Prozesse zu schließen.« Swen Seebach

Dieser Artikel setzt sich kritisch mit dem Thema des Öffnens und Schließens in Recherche und Wissensvermittlungsprozessen auseinander. In den letzten Jahren hat sich das Konzept des offenen Prozesses mehr und mehr zur positiv konnotierten Modeerscheinung entwickelt, welches bedingungslos angepriesen wird. Aus einer gewissen (von moderner Informations- und Kommunikationstechnologie inspirierten) Perspektive erscheint der offene Prozess als Fairness fördernde, allen Positionen die gleichen Möglichkeiten einräumende Form der Wissensgenerierung und –vermittlung. Gerade diese Perspektive soll kritisch hinterfragt werden, um Mankos auszuleuchten und auf Probleme des offenen Generierens und Vermitteln von Wissen hinzuweisen. Schlussendlich soll darauf hingewiesen werden, wie Öffnung und Schließung sinnvoll kombiniert werden können und welche Rolle der Künstler in diesem Balanceakt haben könnte. mehr

2014

Shut down Bankia

September 2014

DAS THEMA DES MONATS (Sep/Dez 2014): »Degrowth, Werte und die Rolle der Kunst in der Transformation der Gesellschaft.«
Leonídas Martín im Gespräch mit Stella Veciana


Es gibt viele neoliberale Werte, aber im Grunde können sie in einem einzigen zusammengefasst werden, dem Wettbewerb. Heute sind wir alle Maschinen, die gegeneinander konkurrieren. Wir sind eine Art persönliches Unternehmen, das mit dem anderen in Konkurenz tritt, um zu überleben. Dem wollen wir andere kulturelle Werte entgegenzusetzen, wie zum Beispiel die Kooperation als Grundwert, das Capacity Building, oder eines besseres Leben zu gestalten, ein Gutes Leben (Buena Vida), welches etwas anderes bedeutet als wie wir uns es heute vorstellen. (English) mehr

 

 

 

 

Mai 2014

DAS THEMA DES MONATS (Mai/Aug 2014): »Autonomie oder Annäherung an mögliche Farbigkeiten der Akropolis.«
Dirk Marx und Stella Veciana


Die Akropolis war zu „Lebzeiten“ bemalt; ist der Tempel deswegen heute leblos? Mit welchen Farben wollen/können wir die Akropolis von heute sehen? Ja, wir wollen/sollen (zusammen)leben und wir versuchen das. Die Akropolis ist eine „zivilisierte“ Parabel für eine Vorstellung von Leben und Zeit bis heute. Aber wieder mit Farbe versehen haben wir, die Zivilisierten, diese bis heute dennoch nicht. Geht es um den Umgang mit Farben, der uns als Analogie das Leben auch als ein Zusammenleben, erst ermöglicht? mehr

»Unter|scheidung Zeit: hier bin ich - dort war ich?«
Jutta Franzen

»Wiederholen heißt sich verhalten, allerdings im Verhältnis zu etwas Einzigartigem oder Singulärem, das mit nichts anderem ähnlich oder äquivalent ist. [...]

Das Geschäft des Lebens besteht darin, alle Wiederholungen in einem Raum koexistieren zu lassen, in dem sich die Differenz verteilt.«

Gilles Deleuze

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Januar 2014

DAS THEMA DES MONATS (Jan/Apr 2014): »Die Unter|scheidung Zeit und Raum«.

LINE

»Unter|scheidung Raum: von 3D Körpererfahrungen zu Nano-Topologien«
Stella Veciana
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»Es gibt ein Spiel, das Kinder spielen, wenn die Flut kommt. Sie bauen um sich herum eine vermeintlich undurchdringliche Sandmauer, um das Wasser so lange wie möglich draußen zu halten. Natürlich sickert das Wasser von unten durch und irgendwann durchbricht es die Mauer und überflutet alle. Erwachsene spielen ein ähnliches Spiel. Sie umgeben sich mit einer vermeintlich undurchdringlichen Mauer aus Argumenten, um die Wirklichkeit draußen zu halten. Doch die Wirklichkeit sickert von unten durch, durchbricht irgendwann die Mauer und überflutet uns alle.«

George Spencer-Brown

2013

DAS THEMA DES MONATS (Sep/Dez 2013): »Wie sammeln Künstler/innen? Cumuli – Ausstellung / Archiv / Lager«.
Stella Veciana im Austausch mit Herbert Distel, Christin Lahr, Katharina Karrenberg und Moira Zoitl.
Inwiefern unterscheidet sich die Sammlung eines Künstlers von dem eines Kunstliebhabers oder eines Museumsleiters? Die Künstlergruppe Camelot präsentiert mit der Ausstellung Cumuli die unterschiedlichsten Herangehensweisen von Künstlern an ihre Sammlungen: vom Künstler, der persönliche Erinnerungsstücke oder Unbeachtetes zusammenträgt, der die Werke anderer Künstler erwirbt, der Objekte in neue Wertesysteme übertragt oder der Gesten und Handlungsabläufe sammelt. mehr

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DAS THEMA DES MONATS (Mai/Aug 2013): »Archive neu WertSchätzen«: die Feldforschung in Sammlungen als Keimstätte der Zukunft. Stella Veciana im Austausch mit Richard Schütz.

Was verbindet ein Weltkulturen- mit einem Naturkundemuseum? Zum Beispiel der methodische Umgang mit den Forschungsobjekten ihrer Sammlungen. Es geht um naturwissenschaftliche Forschungsobjekte wie Tierpräparate, die aus der Ordnung des historischen Archivs herausgetrennt werden und um ethnologische Artefakte wie Waffen, die von der Patina ihrer kolonialen Vergangenheit befreit werden.

Der Trend Archive neu wertzuschätzen, wird anhand von zwei Beispielen verdeutlicht: Zum einen, verändert die Recherche des Bildenden Künstlers Richard Schütz die Bedeutung von Schauobjekten im bildlichen Erzählen ihrer Geschichte und ihrer Zukunft als angedeutete Vorstellung. Zum anderen, stellt die Ausstellung »Objekt Atlas« im Weltkulturen Museum, Frankfurt, innovative Forschungsmethoden vor, die eine neue Rollenverteilung zwischen KünstlerInnen und MuseumsmitarbeiterInnen ermöglichen. Beide Herangehensweisen zeigen, wie Sammlungen ihr zukunftsweisendes Potential für die Fragestellungen des 21 Jhdts. weiterentwickeln können. mehr

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DAS THEMA DES MONATS (Jan/Apr 2013): »Forschung(sobjekte) generieren und ausstellen: Vom Kuriositätenkabinett zu den Forschungsmuseen«. Stella Veciana.

Auf der documenta 13 stellt Mark Dion mit einem sechseckigen Eichenholzkabinett für die Xylothek Schildbach, Forschungsobjekte neu in Szene. Damit hinterfragt er bisherige Ordnungs-, Sammlungs- und Klassifikations-systeme. Über Präsentationsarchitektur, Gedächtnisformen, Modelle des Archivierens und ein neuer wissenschaftspolitischer Orientierungsrahmen der Naturkundemuseen zum »Forschungsmuseen«, der kürzlich in Berlin vorgestellt wurde. mehr

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